Fall Skripal Russland wirft Briten und USA Verlust jeden Anstands vor

Der Streit zwischen Russland und dem Westen um den Giftanschlag auf den Ex-Agenten Skripal spitzt sich weiter zu: Das Attentat, heißt es nun aus Moskau, könne auch im Interesse Großbritanniens gewesen sein.
Spezialisten untersuchten Ende März den Garten von Skripals Haus in Salisbury

Spezialisten untersuchten Ende März den Garten von Skripals Haus in Salisbury

Foto: GEOFF CADDICK/ AFP

Im Streit um den Giftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal hat Russland den Briten sowie den USA jeden Anstand abgesprochen. In Zeiten des Kalten Krieges habe es wenigstens einige Regeln gegeben, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Moskau. Jetzt aber hätten die USA und Großbritannien allen Anstand fahren lassen und machten "Kinderspielchen". Lawrow stellte in den Raum, dass der Anschlag auch durchaus im Interesse von Großbritannien selbst gewesen sein könnte. Eine Begründung dafür lieferte er nicht. Wie weit sich die Eskalationsspirale jetzt noch drehe, liege nicht in den Händen Russlands.

Der Westen wirft Russland vor, hinter dem Giftanschlag auf Skripal und seine Tochter Julia im englischen Salisbury zu stecken. Auf die Ausweisung von russischen Diplomaten aus den USA und zahlreichen weiteren europäischen Ländern, darunter Deutschland, hat Russland mit entsprechenden Gegenmaßnahmen reagiert. Das Land bestreitet eine Verwicklung in die Attacke.

Kurz zuvor hatte Russland in zwei ungewöhnlichen Tweets Großbritannien eine Missachtung der diplomatischen Konventionen vorgeworfen. Die russische Botschaft in London kritisierte im Kurznachrichtendienst Twitter erneut, dass London keine Beweise für die Anschuldigungen vorlege und keinen Zugang zu den Opfern gewähre.

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Tweet mit Zombie-Bezug

In einem Tweet verwendete die Botschaft für ihren Protest das Logo des Zombie-Films "28 Days Later" (28 Tage später). In dem Film geht es um den Zusammenbruch der Gesellschaft durch die Verbreitung eines tödlichen Virus aus einem britischen Forschungslabor und die dramatische Flucht einiger Überlebender. Auch 28 Tage nach dem Anschlag sei London seinen Verpflichtungen Moskau gegenüber nicht nachgekommen, kritisierte die russische Botschaft.

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Ein anderer Tweet zeigt einen goldenen Schlüssel mit einem Satz, der im Deutschen der Goldenen Regel entspricht: "Was du nicht willst, das man dir tu', das füg' auch keinem andern zu."

Zuvor hatte Russland einen Fragenkatalog zum Anschlag veröffentlicht und gefordert, Zugang zu Julia Skripal zu bekommen. Der 33-Jährigen geht es inzwischen deutlich besser. Sie könne wieder essen und trinken, heißt es. Ihr Vater befindet sich nach Angaben der Ärzte weiter in einem kritischen Zustand. Beide waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im englischen Salisbury entdeckt worden. Sie wurden London zufolge durch einen Kampfstoff vergiftet, der zu Sowjetzeiten produziert wurde.

Nach einem Bericht des britischen Nachrichtensenders BBC soll das Nervengift an der Haustür der Opfer gewesen sein, möglicherweise in Form einer klebrigen Masse. Julia Skripal war bei ihrem Vater zu Besuch.

Experten untersuchen Proben des gefundenen Gifts

Für Mittwoch, 4. April, hat Russland durchgesetzt, dass sich die Leitung der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) mit dem Fall beschäftigt. Die Unterorganisation der Vereinten Nationen hat bereits Experten nach Großbritannien entsandt, um Proben des gefundenen Gifts zu untersuchen.

Kritik übte die russische Botschaft per Twitter auch daran, dass sie im Mordfall des Kreml-Kritikers Nikolai Gluschkow keine Informationen bekomme. Der Geschäftsmann war Mitte März tot in seinem Londoner Haus entdeckt worden. Gluschkow hatte für die russischen Großkonzerne Avtovaz und Aeroflot gearbeitet. Er kam nach Vorwürfen von Betrug und Geldwäsche ins Gefängnis und erhielt 2010 Asyl in Großbritannien.

mhu/dpa