Falludscha-Offensive Entführer der Alawi-Verwandten fordern Rückzug

Muslimische Extremisten haben drei Familienmitglieder des irakischen Ministerpräsidenten Ijad Alawi gekidnappt. Sie forderten ihn dazu auf, die Offensive in Falludscha einzustellen, andernfalls würden sie die Geiseln enthaupten. Alawi bleiben nun 48 Stunden Zeit.

Bagdad - Bei den Geiseln handelt es sich um einen Cousin von Ministerpräsident Ijad Alawi namens Ghasi Alawi, dessen Ehefrau und seine Schwiegertochter. Sie wurden am Dienstagabend aus ihrem Haus in Bagdad verschleppt, wie ein Regierungssprecher am Mittwoch mitteilte. Einzelheiten nannte er nicht, aus Polizeikreisen hieß es aber nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, es habe einen kurzen Schusswechsel an dem Wohnort im Südwesten Bagdads gegeben, bevor die drei entführt wurden.

Zu der Geiselnahme bekannte sich im Internet die Organisation Ansar al Dschihad. Sie erklärte, dass sie drei Verwandte Alawis in ihrer Gewalt habe. Die Extremisten forderten ein Ende der Belagerung von Falludscha und die Freilassung von Gefangenen. Wenn Alawi diese Forderungen nicht innerhalb von 48 Stunden erfülle, würden die Geiseln enthauptet. Der irakische Regierungssprecher Thair al Nakib erklärte, der Cousin Alawis sei 75 Jahre alt und habe keinerlei Verbindungen zur Politik.

Die Unterstützung Alawis für die US-Offensive in Falludscha hat die Regierung in den vergangenen Tagen auch im eigenen Lager unter Druck gesetzt. Sunnitische Geistliche riefen zu einem Boykott der Januar-Wahlen auf. Der Vorsitzende der Vereinigung muslimischer Geistlicher, Harith al-Dhari, sagte, die Sunniten könnten nicht an einer Wahl teilnehmen, die über den Leichen der in Falludscha Getöteten stattfinde.

Am dritten Tag ihrer Offensive in Falludscha hatten die US-Truppen nach eigenen Angaben 70 Prozent der irakischen Stadt unter Kontrolle. Jedoch kam es weiter zu Straßenkämpfen mit kleinen Gruppen irakischer Rebellen. Bislang kamen bei den Kämpfen um Falludscha nach Militärangaben 71 Aufständische und 10 US-Soldaten ums Leben. Wie viele Einwohner insbesondere bei den wiederholten Luftangriffen getötet wurden, ist nicht bekannt.

Marineinfanteristen seien über die Hauptstraße im Stadtzentrum hinaus weiter nach Süden vorgestoßen, sagte der amerikanische Major Francis Piccoli. "Gesichert und unter Kontrolle" sei auch das Viertel Dscholan im Nordwesten von Falludscha, wo Rebellen Sprengfallen platziert hätten, um den Vorstoß der US-Truppen aufzuhalten. Hingegen haben sich die Aufständischen weiterhin in einem Streifen entlang der Hauptverbindungsstraße von West nach Ost verschanzt.

Etwa hundert Männer, Frauen und Kinder verließen am Mittwoch Falludscha und begaben sich zu den US-Truppen im Süden der belagerten Stadt. Ein Militärsprecher sagte, dass alle Männer im kampffähigen Alter in Haft genommen würden.

US-Kommandeure erklärten, die Offensive verlaufe nach Plan. Generalleutnant Thomas Metz erklärte auf einer Pressekonferenz des Pentagon, dass sich der gesuchte Extremistenführer Abu Mussab al Sarkawi offenbar nicht mehr in Falludscha aufhalte.

Unterdessen kam es auch in den anderen Landesteilen des Irak zu Zwischenfällen. So entkam der US-Waffeninspekteur Charles Duelfer nur knapp einem Selbstmordanschlag. Wie die Fernsehsender CBS und NBC am Dienstag berichteten, wurden bei dem Angriff zwei von Duelfers Leibwächtern getötet. Laut CBS fuhr der Waffeninspekteur am Montag in einem Konvoi zum Bagdader Flughafen, als ein Selbstmordattentäter versuchte, seinen Wagen zu rammen. Der Täter habe jedoch von Begleitfahrzeugen abgedrängt werden können.

In Bagdad kam ein US-Soldat bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe ums Leben. Im Norden des Landes wurden sechs irakische Soldaten bei einem Bombenanschlag getötet. Die Nationalgardisten waren nach Angaben von Generalmajor Anwar Mohammed Amein auf dem Weg in eine Kaserne bei Tus, als am frühen Morgen eine Bombe am Straßenrand explodierte.

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