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13. November 2004, 09:39 Uhr

Falludscha

US-Soldaten feuern Granaten-Salven gegen Rebellen

Mit aller Härte gehen US-Truppen gegen Aufständische in der irakischen Rebellenhochburg Falludscha vor. Auch für die Zivilbevölkerung spitzt sich die Lage zu. In den Straßen liegen nach Angaben von Augenzeugen Hunderte Leichen. Heute soll ein Hilfskonvoi dringend benötigte Güter in die Stadt bringen.

US-Soldaten in Falludscha: "Ein Desaster"
AP

US-Soldaten in Falludscha: "Ein Desaster"

Falludscha - Nach einer relativ ruhigen Nacht hätten amerikanische Soldaten mindestens 20 Granaten auf vermutete Stellungen von Aufständischen abgefeuert, berichteten Bewohner der Region. Bereits am frühen Morgen hatten Aufständische nahe Falludscha vier Hubschrauber der US-Streitkräfte beschossen. Nach Militärangaben wurde bei den Angriffen in Karma nordöstlich der Rebellenhochburg niemand verletzt. Schon gestern Abend waren zwei US-Helikopter von Aufständischen unter Beschuss genommen, die nahe Falludscha auf Patrouillenflug waren.

Zusammen mit den irakischen Sicherheitskräften hatte die US-Armee am Montag mit einer Offensive in der Stadt begonnen, die seit Monaten in der Hand von Rebellen war. Die US-Armee hat nach eigenen Angaben inzwischen den größten Teil der Stadt unter Kontrolle. US-Außenminister Colin Powell sagte dem Fernsehsender Al-Arabija, die USA wollten die Offensive so schnell wie möglich beenden. Sie wollten anschließend umgehend mit dem Wiederaufbau der Stadt beginnen.

Die verbliebenen Einwohner Falludschas machten mit einem dramatischen Hilferuf auf ihr Schicksal aufmerksam. Hunderte Tote lägen auf den Straßen, und den vor Schmerzen schreienden Verletzten könne nicht geholfen werden, sagte der Mediziner Ali Abbas aus Falludscha in einem vom US-Nachrichtensender CNN übertragenen Telefoninterview. Die Situation sei ein Desaster. Die in der Stadt verbliebenen Einwohner hätten weder Wasser noch Nahrung oder Strom. Ein Konvoi des irakischen Roten Halbmonds mit Hilfslieferungen werde an diesem Samstag versuchen, die Stadt zu erreichen, berichtete CNN.

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