Ermordeter Journalist Sotloff "Steve opferte sein Leben, um ihre Geschichten in die Welt zu bringen"

Die IS-Terrormiliz hat den US-Journalisten Steven Sotloff ermordet, nun wendet sich seine Familie an die Öffentlichkeit. "Unser Sohn war kein Held, und auch kein Kriegsjunkie."

Ermordeter US-Journalist Steven Sotloff: "Er war kein Held"
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Ermordeter US-Journalist Steven Sotloff: "Er war kein Held"


Miami - "Unser Sohn hat versucht, das Gute verborgen in einer finsteren Welt zu finden": Mit bewegenden Worten hat sich die Familie des US-Journalisten Steven Sotloff zu seinem Tod geäußert. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte den Reporter ermordet.

Ihr Sohn sei weder Held noch "Kriegsjunkie" gewesen, erklärten die Eltern in Miami. Er habe versucht, den Schwachen und Leidenden in der arabischen Welt eine Stimme zu geben. "Er opferte letztlich sein Leben, um ihre Geschichten in die Welt zu bringen." Der Freund und Sprecher der Familie des Opfers, Barak Barfi, erklärte, die Familie trauere, würde es ihren Feinden aber nicht erlauben, sie mit der einzigen Waffe, die Terroristen besäßen, nämlich der Angst, als Geiseln zu nehmen.

Der vor einem Jahr in Syrien entführte Reporter Steven Sotloff ist offenbar aus Rache für die US-Luftangriffe im Irak vor laufender Kamera getötet worden. Dies berichtete zunächst das US-Forschungsinstitut Site. Es beruft sich auf ein Internetvideo, das der IS ins Netz gestellt habe. Das Institut verfolgt weltweit die Aktivitäten von Terrororganisationen. Die US-Regierung hat die Echtheit der Aufnahme mittlerweile bestätigt. Die grausame Aufzeichnung ähnelt dem Video, das vor zwei Wochen die Enthauptung des US-Journalisten James Foley zeigte.

"Er war ein guter Mensch"

"Steve war kein Held", sagte Barfi über Sotloff. "Er war ein guter Mensch." Ein Fan des Football-Teams Miami Dolphins, von Junk-Food und von der TV-Serie "South Park", außerdem habe er es geliebt, mit seinem Vater über Golf zu reden. Der 31-jährige Journalist sei zwischen zwei Welten hin- und hergerissen gewesen. Schließlich sei er in der arabischen Welt gelandet, so Barfi. Aber: "Er wollte kein moderner Lawrence von Arabien sein."

Sotloff arbeitete als freier Mitarbeiter für "Time" und "Foreign Policy". Im Dezember 2012 berichtete er etwa über die Situation der Bevölkerung in Aleppo. Er schrieb über die politische Entwicklung in Ägypten, Syrien, Bahrain sowie aus Libyen und aus der Türkei. Er wurde zuletzt im August 2013 in Syrien gesehen.

Die Aufnahmen von seiner Ermordung lösten weltweites Entsetzen aus. US-Präsident Barack Obama sagte, nach dem "entsetzlichen Gewaltakt" trauere nun ganz Amerika mit Sotloffs Familie. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon und Deutschland verurteilten die Ermordung ebenfalls scharf.

vek/AP/Reuters

insgesamt 42 Beiträge
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nightflybln 04.09.2014
1. Warum????
Wann wird die Welt endlich geschlossen aufstehen und diesem Menschen verachtenden islamistischem Terror ein Ende machen ??? Wieviele Menschen müssen noch Sterben? Und Deutschland hält sich mal wieder schön aus allem raus, und die salafisten stehen in den Fuß gängerzonen und vergiften die Gedanken der Menschen.
brokerbundfuture1 04.09.2014
2. weiterhin
soll mir mal einer erklären, warum da nicht Spezialeinheiten eingesetzt werden, um diese IS-Kämpfer mit bestens ausgebildeten Leuten endlich mal aus dem Weg zu räumen. Nur mit Luftangriffen kann man diese Plage nicht ausrotten, dafür sind diese strategisch zu gut ausgebildet und wissen sich gut zu verteilen. Hier sehe ich nun den Westen in der Pflicht, sich um diese Terrorgruppe zu kümmern und Ihr eine "individuelle Betreuung" entgegen zu stellen.
Süddeutscher 04.09.2014
3. Mit Verlaub
Warum wird so ein Tamtam gemacht, wenn ein Reporter im Krisengebiet stirbt? Ist sein Leben mehr wert, weil er sich zuvor in die Höhle der Bestie begeben hat? Es gibt genügend Einheimische , die über die Lage berichten. Da braucht es keinen zusätzlichen Pressetourismus! Dass der Mann tot ist, ist bedauerlich, aber die Folge der Fehleinschätzung, dass nichts real ist, solang es die Presse nicht für real erklärt wird. Die positive Rolle der Medien wird überschätzt!
privado 04.09.2014
4. Lawrence von Arabien?
Na da haben die Eltern wohl etwas missverstanden. Die Literaturfigur "Lawrence von Arabien" war im Gegensatz zu deren Sohn britischer Offizier, der zwar ebenso hin- und hergerissen war zwischen seinen konservativ britischen Wurzeln und der für ihn so unkonventionellen und zugleich faszinierenden Lebensweise der arabischen Völker. Aber Lawrence war in erster Linie eben Soldat, der mithilfe der arabischen Stämme Krieg führte gegen die Besatzungsmacht der Türken und dabei zum Teil sehr grausam vorging: "keine Gefangenen". Ein Journalist hat da wohl ganz andere Aufgaben. Die Tat finde ich abscheulich und den Täter sollte man genau auf dieselbe Art hinrichten.
all-about-mindset 04.09.2014
5. Es ist traurig,
Dass so viele Journalisten umkommen. Und wir bedauern ds sehr. Oder durch sie Loesegeld erpresst wird v d Falschen. Ich frage mich allerdings auch,hat Berichterstattung in den letzten Jahren eigentlich zu irgendeiner nachhaltigen Verbesserung in ds Laendern gefuehrt? Oder vielleicht gar eher das Gegenteil erreicht?
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