Familienfeier in Kenia Oma Obama lässt Ochsen zerlegen

Nicht nur Amerika hat einen neuen Helden - sondern auch Kogelo, ein kleines Dorf im tiefen Westen Kenias. Barack Obamas Clan feierte den Wahlsieg des Verwandten und schlachtete zur Feier des Tages einen Ochsen.

Aus Kogelo berichtet


Kogelo - Um exakt 7.03 Uhr Ortszeit war die Nachricht auch zum Dorfplatz von Kogelo tief im Westen Kenias durchgedrungen. CNN hatte soeben Barack Obama zum neuen US-Präsidenten ausgerufen. Dutzende von Menschen - einige waren die ganze Nacht geblieben - fielen sich in die Arme, begannen frisch geschnittene Zweige zu schwenken und zu tanzen. Eine Band spielte spontan auf.

Alle wollten am Sieg teilhaben. Präsident Mwai Kibaki rief den Donnerstag zum nationalen Feiertag aus, sein Vizepräsident behauptete ungeniert im Radio, er habe bereits mit dem Wahlsieger telefoniert. Er hatte Glück, dass ihm niemand das Gegenteil beweisen konnte.

Einen Kilometer weiter verließ Obamas 86-jährige Großmutter Sarah spontan ihr Haus. Sie hatte die Wahlen seit dem frühen Morgen am Fernseher mitverfolgt, sie hatte mitgefiebert. Sie war müde, aber nun wollte sie ihre Begeisterung teilen. Sie lief, begleitet von ihrem Clan, vor das Tor. Sie strahlte über ihr ehrwürdig-faltiges Gesicht und begann trotz ihrer Kniebeschwerden vor den internationalen Kameras ein kleines Freudentänzchen. Sie nahm eine kurze Auszeit, dann stand sie den Wartenden Rede und Antwort.

Während sich ein Jubelchor von mehreren Dutzend Dorfbewohnern auf Großmutters Häuschen zubewegte, wurde auf dem Grundstück nebenan bereits der Ochse zerlegt, der sich morgens, an einem Baum angebunden, noch über den sonderbaren Auftrieb der Medienmenschen gewundert hatte. "Ich bin sehr, sehr zufrieden", sagte Sarah Obama, "für mich, für uns, für die ganze Welt." Nein, sie habe noch nicht mit Barack gesprochen. Nein, sie wisse nicht, wann er sie besuchen komme. Nein, sie werde ihr Leben genau so weiterführen. "Uns geht es gut – warum sollen wir unser Leben ändern?"

Eine der wenigen, die in dem ganzen Trubel neben der Großmutter die Fassung behielten, blieb Obamas Halbschwester Auma. Sie bremste die Euphorie, die einen Teil der Familie und das ganze Dorf erfasst hatte: "Barack machte schon 2006, als er hier war, sehr klar, dass er Amerikaner ist, nicht Kenianer. Natürlich haben wir ihn unterstützt, aber wir haben keine Erwartungen. Und wenn es in Kenia jetzt hohe Erwartungen gibt, dann entspringen sie eher der Begeisterung." Und in deutscher Sprache ließ die Germanistin wissen: "Ich bin ein bisschen müde, aber sehr, sehr glücklich."

Auch die Distriktverwaltung verstand, dass sie jetzt gefordert war, und dem berühmten Sohn Tribut zollen muss. Noch am Vormittag begannen Arbeiter, mit großem Gerät die Straße vor Großmutters Haus zu verbreitern. Und während die Journalisten auf die Pressekonferenz warteten, gruben Angestellte der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft tiefe Löcher in den nassen Boden, um endlich das lange versprochene Stromkabel zu legen.

Sollte der künftige US-Präsident zu seinen Wurzeln zurückkehren, will man schließlich keinen ganz unterentwickelten Eindruck machen.

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