Libyen Fanatiker sollen Jahrhunderte altes Mausoleum gesprengt haben
Soldaten an der Explosionsstelle: Mausoleum war für Architektur bekannt
Foto: Sabri Elmhedwi/ dpaTripolis - Das osmanische Mausoleum des Statthalters Murat Agha war nicht nur eines der ältesten in Tripolis, es war auch für seine Architektur berühmt. Doch Unbekannte haben das Bauwerk am Mittwoch fast vollständig zerstört, berichtete ein Vertreter der Stadtverwaltung des Bezirks Tadschura im Osten der libyschen Hauptstadt. Das Grabmal stammte aus dem 16. Jahrhundert und lag direkt neben einer wichtigen Moschee.
Stunden nach dem Anschlag wurde vermutet, dass Fanatiker hinter der Tat stecken, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. In den zwei Jahren seit dem Sturz des Regimes um Muammar al-Gaddafi sind mehrfach Heiligtümer und historische Bauwerke vernichtet worden. Anhänger einer puritanischen Auslegung des sunnitischen Islam, die in Saudi-Arabien Staatsreligion ist, sind der Auffassung, es sei gegen die Prinzipien des Islam, Gräber zu besuchen.
Premierminister Ali Seidan verurteilte die Attacke auf das Murat-Agha-Mausoleum und versprach, die Täter dafür vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen. "Die Abgesandten der Rückständigkeit, der Barbarei und des Terrorismus versuchen jeden Tag die Erinnerungen und die Geschichte des Landes zu zerstören", sagte er in einer Pressekonferenz.
In der östlichen Stadt Bengasi kam es zu einem weiteren Zwischenfall: Dort wurde eine Straßensperre der Sicherheitskräfte in der Nacht beschossen. Es wird vermutet, dass die islamistische Ansar-al-Scharia-Brigade hinter der Attacke steckt. Verletzt wurde niemand. Die Armee hatte die Brigade in den vergangenen zwei Tagen - zum Teil mit Unterstützung aus der Bevölkerung - aus zwei Stützpunkten im Osten des Landes vertrieben.