SPIEGEL ONLINE

Fremdschämen in Florida US-Politiker streiten über Ventilator

Vom Winde verweht: Floridas Gouverneur Rick Scott und sein Herausforderer Charlie Crist wollten in einer TV-Debatte um Wählerstimmen werben. Doch beide Politiker haben sich bei dem Duell blamiert.

Davie - Die Debatte sollte der Höhepunkt im Wahlkampf um den Gouverneursposten in Florida werden: In einem TV-Duell wollten Amtsinhaber Rick Scott und sein Herausforderer Charlie Crist um Stimmen für die Wahl am 4. November werben.

Doch dann kam ein Ventilator dazwischen: Der Demokrat Crist hatte eine kleine Windmaschine unter sein Pult gestellt. Deshalb weigerte sich der Republikaner Scott, die Bühne zu betreten. Schließlich sei in den Regeln für das TV-Duell eindeutig festgelegt, dass elektronische Geräte während der Debatte strikt verboten seien.

Die Moderatoren waren peinlich berührt: "Meine Damen und Herren, wir haben hier eine ziemlich seltsame Situation", sagte Elliott Rodriguez. "Gouverneur Rick Scott befindet sich im Gebäude. Aber er hat uns gesagt, dass er nicht an der Debatte teilnehmen wird." Dann debattierten die Journalisten mit Herausforderer Crist darüber, ob ein Ventilator ein elektronisches Gerät im engeren Sinne sei.

"Wollen wir wirklich über einen Ventilator debattieren?

Das Publikum im Auditorium des Broward College wusste auch nicht so recht, was es davon halten sollte. Einige Zuschauer lachten, viele buhten. Crist versuchte sich staatsmännisch zu geben: "Wollen wir wirklich über einen Ventilator debattieren? Oder wollen wir über Bildung, die Umwelt und die Zukunft unseres Staates reden?"

Nach mehr als vier Minuten hatte dann offenbar auch Gouverneur Scott erkannt, dass es kindisch wirken könnte, die Wähler wegen eines Ventilators warten zu lassen. Der Republikaner betrat schließlich doch noch das Podium mit einem schiefen Grinsen - die Debatte konnte beginnen.

Doch auch dann ging es erst einmal um das Gerät unter Crists Pult. "Was ist falsch daran, wenn man sich wohl fühlen möchte?", rechtfertigte sich der Demokrat dafür, dass er auf seinem Ventilator bestand. Für seinen Gegner war da schon reichlich Schaden entstanden. Auf Twitter macht sich das US-Publikum seither unter dem Hashtag #Fangate über die beiden Politiker lustig.

syd