FARC-Rebellen Bush unterstützt Kolumbiens Vorgehen - Castro wettert dagegen

Der Angriff Kolumbiens auf ein Rebellenlager in Ecuador stößt international auf scharfe Ablehnung und große Zustimmung: US-Präsident Bush würdigte die "starke Führung" seines kolumbianischen Amtskollegen Uribe. Kubas Ex-Präsident Castro geißelte die Attacke als "monströses Verbrechen".


Washington/Havana/Caracas - US-Präsident George W. Bush rief seinen kolumbianischen Amtskollegen Álvaro Uribe an, um der kolumbianischen Regierung in ihrem Vorgehen gegen die Rebellengruppe FARC den Rücken zu stärken. Bush habe Uribe für dessen "starke Führung" im Kampf gegen die linksgerichteten Rebellen gedankt und ihm seine Unterstützung versichert, teilte das Weiße Haus mit.

Kolumbianische Truppen hatten am Samstag den Vize-Chef der FARC, Raúl Reyes, auf ecuadorianischem Territorium getötet und damit eine Krise in der Region ausgelöst. Ecuador und Venezuela ließen Truppen an der Grenze zu Kolumbien aufmarschieren und wiesen die kolumbianischen Botschafter aus. Kolumbien gilt als Verbündeter der USA im Kampf gegen Drogenhandel und Terrorismus.

So positiv Bush das Vorgehen Kolumbiens bewertete, so negativ beurteilte Kubas Ex-Präsident Fidel Castro die Kolumbien-Krise. In seiner jüngsten Kolumne schrieb der erkrankte Revolutionsführer: "Der Imperialismus hat ein monströses Verbrechen in Ecuador begangen." Castro warf Kolumbien vor, mit Hilfe der USA "eine ahnungslose Gruppe von Männern und Frauen im Schlaf" getötet zu haben. "Das waren Yankee-Bomben, gesteuert von Yankee-Satelliten."

Kolumbiens Präsident Uribe verschärfte trotz internationaler Appelle seinen Konfrontationskurs gegenüber den Nachbarstaaten Venezuela und Ecuador. Der konservative Staatschef und enge US-Verbündete kündigte an, den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) wegen Beihilfe zum Völkermord zu verklagen. Uribe beschuldigt Chavez, die Guerilla-Gruppe FARC mit 300 Millionen Dollar unterstützt zu haben.

Kolumbien beruft sich bei seinen Vorwürfen gegen Chavez auf Dokumente, die bei dem getöteten FARC-Vize Reyes gefunden worden sein sollen. Der Linkspolitiker Chavez hat derartige Vorwürfe stets zurückgewiesen.

In die Bemühungen lateinamerikanischer Staaten, den eskalierenden Konflikt zwischen Kolumbien und seinen Nachbarländern zu entschärfen, schalteten sich unterdessen die Vereinten Nationen ein. Generalsekretär Ban Ki Moon rief die drei Staaten auf, die Krise im Geist der Zusammenarbeit und des Dialogs beizulegen. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wollte bei einem Krisentreffen in Washington über eine Lösung des Streits beraten.

Brasilien als größtes südamerikanisches Land warnte vor einer Destabilisierung der gesamten Region. "Wir mobilisieren alle nationalen und südamerikanischen diplomatischen Kräfte, um eine tragfähige Lösung zu finden", sagte der brasilianische Präsidentenberater Marco Aurelio Garcia. Die Regierung in Brasilia forderte Uribe zugleich auf, sich bei Ecuador für den Vorstoß zu entschuldigen. Auch Deutschland, Frankreich und die USA riefen zur Besonnenheit auf.

Venezuela und Ecuador werfen der Regierung in Bogota vor, mit dem Militär-Einsatz eine Freilassung von Geiseln aus der Gewalt der FARC verhindert zu haben. Der kolumbianische Vizepräsident Francisco Santos warf der FARC in Genf dagegen vor, in den Besitz radioaktiven Materials kommen zu wollen. Die Guerilla-Bewegung habe eine "schmutzige Bombe" bauen wollen. Das gehe ebenfalls aus Informationen hervor, die bei Reyes gefunden worden seien.

asc/Reuters/AFP



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