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03. April 2012, 10:25 Uhr

Geiselhaft in Kolumbien

Farc-Rebellen lassen Polizisten und Soldaten frei

Freiheit nach mehr als zwölf Jahren Gefangenschaft: Die Farc-Rebellen in Kolumbien haben die letzten verschleppten zehn Polizisten und Soldaten übergeben. Es ist ein erster Schritt in Richtung Friedensverhandlungen. Unklar ist aber, wie viele Menschen sich noch in den Händen der Guerilla befinden.

Bogotá - Sie lächelten, hielten die kolumbianische Fahne hoch, als sie sich das erste Mal in Freiheit zeigten: Sechs Polizisten und vier Soldaten sind nach jahrelanger Geiselhaft von den linksgerichteten "Revolutionären Streitkräften Kolumbiens" (Farc) freigelassen worden. Die Rebellen erfüllen damit eine wichtige Bedingungen der kolumbianischen Regierung, damit beide Seiten Friedensverhandlungen aufnehmen können.

Nach Farc-Angaben waren die zehn Männer die letzten Geiseln aus Polizei- und Militärkreisen. Die Rebellen hatten die sechs Polizisten und vier Unteroffiziere des Heeres bei verschiedenen Angriffen in den Jahren 1998 und 1999 entführt. Ihre Geiseln hielten sie in einem unzugänglichen Dschungelgebiet gefangen.

Die Männer seien einer humanitären Mission übergeben worden, teilte das Internationale Komitee des Roten Kreuz (IKRK) am Montag mit, das die Freilassung überwachte. Die Männer wurden mit einem Helikopter der brasilianischen Luftwaffe von einem Dschungelgebiet in Richtung Bogotá geflogen. Ihnen war die Erleichterung und Freude anzusehen: Einige winkten triumphierend, während andere bei der Ankunft vor Freude auf dem Asphalt hüpften.

Sie wurden zunächst in die Stadt Villavicencio gebracht. Dort wurde die Gruppe von Angehörigen empfangen. "Mein Vater hat ganz weiße Haare, meine Mutter hat sich gar nicht verändert, und meine Frau ist noch schöner als früher", sagte der im Jahr 1999 von der Farc verschleppte Polizist José Libardo Forero dem Radiosender RCN über das Wiedersehen.

Präsident fordert von Rebellen Beweise

Präsident Juan Manuel Santos wertete die Freilassung als einen Schritt in die richtige Richtung. Er reiche jedoch nicht aus, um Friedensgespräche zu beginnen. Erst müssten auch die zivilen Geiseln freigelassen werden, forderte der Staatschef in einer Fernsehansprache. Unklar ist, wie viele Menschen sich noch in den Händen der Guerilla befinden, Rechtsorganisationen gehen aber von mehr als hundert Zivilisten aus.

Santos sagte, er wolle zunächst Beweise dafür, dass die Guerilla-Gruppe ihre Entführungen tatsächlich einstellen wolle. "Wenn die Regierung glaubt, dass es ausreichende Bedingungen und Garantien für einen Prozess zur Beilegung des Konflikts gibt, wird es das Land erfahren", sagte der Präsident. Entführungen waren lange Zeit ein Mittel der Rebellen, um ihren Aufstand zu finanzieren.

Farc bekräftigen ihren Willen

Die bekannteste ehemalige Farc-Geisel ist die Politikerin Ingrid Betancourt. Die Rebellen hatten sie im Februar 2002 entführt. Im Juli 2008 wurde Betancourt mit anderen Geiseln vom Militär befreit.

Die kolumbianische Regierung fordert zudem, dass die Rebellen ihre Beziehungen zum Drogenhandel abbrechen.

In einem Kommuniqué, das bei der Übergabe der Geiseln verlesen wurde, bekundeten die Farc ihre Bereitschaft zu Friedensgesprächen. Wie Angehörige der Vermittlungsmission der Zeitung "El Tiempo" sagten, bekräftigten die Rebellen dabei auch erneut ihren Willen, die Entführungen zur Erpressung von Lösegeld einzustellen. Dies hatte die Farc-Führung bereits im Februar angekündigt.

heb/dpa/dapd/AFP

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