Farc-Terror in Kolumbien Mutter schließt Sohn nach Jahren in ihre Arme

Sechs Jahre war Clara Rojas in der Gewalt der kolumbianischen Farc-Rebellen. Während der Geiselhaft gebar sie einen Sohn, den ihr die Entführer nach acht Monaten wegnahmen. Nun konnte die Rechtsanwältin das Kind erstmals wieder umarmen.


Bogota - Die 44-jährige Clara Rojas verbrachte rund zwei Stunden in dem staatlichen Heim, das den dreijährigen Sohn Emmanuel aufgenommen hat. Sie selbst war zusammen mit der ehemaligen Abgeordneten Consuelo González vergangenen Donnerstag von den Guerilleros der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) freigelassen und zunächst in die venezolanische Hauptstadt Caracas gebracht worden.

Clara Rojas und Sohn: Wiedersehen nach langer Geiselhaft
AP

Clara Rojas und Sohn: Wiedersehen nach langer Geiselhaft

"Ich bin sehr bewegt, wieder in meinem Land zurück zu sein", sagte Rojas nach ihrer Rückkehr in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Die Steuerexpertin war als Beraterin der Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt zusammen mit dieser von Guerilleros der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) verschleppt worden.

In einer Beziehung mit einem der Guerilleros wurde ihr Sohn gezeugt. Rojas sagte, sie vermute, dass der Vater nicht mehr am Leben sei. Die Farc hatte den kleinen Jungen im Alter von acht Monaten einem Bauern übergeben, der das Kind aber nicht selbst betreute, sondern in ein staatliches Heim in Bogota brachte.

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez will nun seine Bemühungen fortsetzen, auch die Freilassung von Betancourt und mehr als 40 weiteren Geiseln zu erreichen. Es gebe nur einen politischen Weg, um den Bürgerkrieg in Kolumbien zu beenden, sagte Chávez gestern in seiner wöchentlichen Fernsehsendung. Dies wolle er auch mit Farc-Kommandeur Manuel Marulanda besprechen.

Den kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe rief Chávez auf, die Farc und die zweite Guerillaorganisation ELN als legitime Aufstandsbewegungen anzuerkennen und nicht mehr als Terroristen zu betrachten. Dies wäre ein erster Schritt für die Aufnahme von Friedensgesprächen, sagte Chávez.

Armee: Farc entführt sechs kolumbianische Touristen

Doch inzwischen haben die linksgerichteten Guerillas wieder zugeschlagen und mehrere kolumbianische Touristen verschleppt. Nach Angaben der kolumbianischen Kriegsmarine raubten die Rebellen im westlichen Departamento Choco 19 Urlauber aus und nahmen sechs von ihnen als Geiseln. Bei den in der Ortschaft Nuqui Entführten handelt es sich demnach um zwei Lehrer, eine Biologin, einen Studenten und zwei Geschäftsleute.

Die Reisegruppe sei mit einem Boot unterwegs gewesen, als die Guerillas sie überfallen hätten. Der Marinekommandeur Admiral Mauricio Soto sagte dem Fernsehsender "Noticias uno", nach den Entführten werde in einer großangelegten Aktion mit Marineinfanteristen und Aufklärungsflugzeugen gesucht.

asc/AFP/AP



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