Islamistischer Terror FBI fürchtet Anschläge von syrischer Qaida-Zelle

Auch nach US-Angriffen gegen eine Qaida-Zelle in Syrien sieht das FBI die Gefahr nicht gebannt. Die Chorasan-Gruppe könnte immer noch Anschläge in den USA oder verbündeten Ländern planen, so Geheimdienst-Chef Comey.


Washington - Ende September haben US-Kräfte in Syrien Angriffe auf eine Gruppe von Qaida-Veteranen in Syrien geflogen - die sogenannte Chorasan-Gruppe. Nach Einschätzung des US-Inlandsgeheimdienstes FBI geht aber immer noch eine Gefahr von der Zelle aus - für die USA und ihre Verbündeten. Die Chorasan-Gruppe könne immer noch an einem Plan arbeiten, die USA oder ihre Verbündeten anzugreifen und versuchen, dies "sehr, sehr bald" zu tun, sagte FBI-Chef James Comey in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS.

Die Chorasan-Zelle, eine Gruppe vonQaida-Veteranen aus Afghanistan und Pakistan, war das Ziel mehrerer US-Angriffe Ende September nahe dem syrischen Aleppo. Die USA halten die Gruppe für sehr gefährlich - einige Bündnispartner sehen das anders.

Die Chorasan-Gruppe ist keine eigenständige Miliz. Sie ist vielmehr Teil der Nusra-Front, dem syrischen Ableger von al-Qaida, die anfangs auch eng mit der Gruppe "Islamischer Staat" zusammenhing.

Nach Einschätzungen der US-Geheimdienste sind die Mitglieder von Chorasan langjährige Qaida-Veteranen, die den Zusammenbruch Syriens ab 2011 nutzten, um von Afghanistan, Pakistan und Iran nach Nordsyrien überzusiedeln. Von dort aus wollten sie ungestört Attentate planen. Denn anders als im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet oder im Jemen musste al-Qaida in Syrien bisher keine Drohnenangriffe der Amerikaner fürchten.

Comey sagte weiter, die USA gingen davon aus, dass etwa ein Dutzend Amerikaner in den Reihen islamistischer Gruppen in Syrien kämpfe. Wenn US-Staatsbürger für die IS-Miliz kämpften und in die Heimat zurückkehrten, würde man sie in den USA sehr genau verfolgen.

Mitglieder der Chorasan-Gruppe haben möglicherweise überlebt

Dem emiratischen Fernsehsender Al Aan TV ist es nun gelungen, ihr zerbombtes Hauptquartier bei Aleppo zu besuchen. In den Trümmern fanden die Journalisten eine Liste mit 14 Namen, Mitglieder der sogenannten "Wolf-Zelle" von al-Qaida - so hat sich die Chorasan-Gruppe offenbar selbst bezeichnet, glauben die Al-Aan-Reporter.

Bei den auf der Liste genannten Mitgliedern handelt es sich um erfahrene Qaida-Veteranen, unter anderem vier Türken, zwei Ägypter, zwei Jemeniten, zwei Tunesier, einen Palästinenser, einen Serben und einen Mann aus der Kaukasusregion. Was aus ihnen wurde, ist unklar. Möglicherweise haben einige die Luftangriffe überlebt.

Anführer der Gruppe war offenbar Abu Jusef al-Turki. Er ist bei den US-Luftangriffen ums Leben gekommen. Syrische Rebellengruppen hatten die Ermordung des türkischen Kämpfers kritisiert. Sie sahen in dem Qaida-Veteranen einen ausgezeichneten Scharfschützen, der andere Rebellen zu solchen ausbildete.

anr/AP

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