FBI Möglicher Verdächtiger wird verhört

Ein Mann, den die US-Behörden möglicherweise mit den Terroranschlägen in Verbindung bringen, wird offenbar derzeit vom FBI befragt. Das FBI hielt ihn ursprünglich für einen der Attentäter.

New York - Nach Angaben von CNN handelt es sich um Adnan Bukhari, der mit den Behörden kooperiere. Er galt zuvor als einer der Hauptverdächtigen für die Terroranschläge in den USA. Zunächst dachten die Ermittler, dass die beiden Brüder Adnan und Ameer Abbas in den Todesmaschinen umgekommen sind. Dann stellte sich heraus, das Ameer Abbas bereits im letzten Jahr beim Absturz eines Kleinflugzeugs umgekommen war. Der Anwalt von Adnan Bukhari sagte, sein Mandant habe nichts mit den Anschlägen zu tun.

Auf die Spur der Bukhari-Brüder kam die Polizei durch Indizien in einem Mietauto, das auf dem Flughafen Portland zurückgelassen worden war. Die Hinweise führten zu zwei Mietshäusern in Vero Beach, Florida. Eines war von zwei Brüdern aus Saudi-Arabien angemietet worden. Im Haus fand die Polizei Fotos und Fluglizenzen. Nach Angaben des Vermieters hatten sich die beiden als saudi-arabische Piloten ausgegeben und waren mit ihren Frauen und Kindern in das Haus eingezogen. Bukhari habe das Haus Ende August verlassen.

Von den rund 50 weiteren Verdächtigen seien 40 entweder fest im Visier der Ermittler oder als Selbstmordattentäter bei den Anschlägen ums Leben gekommen, berichtet die "Los Angeles Times". Nach zehn weiteren werde noch gesucht, so die Zeitung. 27 der Verdächtigen hätten eine Pilotenausbildung gehabt. Sie seien in vier unabhängig voneinander operierenden Gruppen organisiert gewesen. Die Attentäter, drei bis sechs in jedem der vier entführten Flugzeuge, hätten alle Pässe aus Ländern des Nahen Ostens gehabt. Bei Durchsuchungen von Wohnungen und Autos wurden Abschiedsbriefe einiger Attentäter an ihre Eltern gefunden.

US-Justizminister John Ashcroft sagte, die Terroristen hätten Messer als Waffen bei sich gehabt und in einigen Fällen Bombendrohungen ausgestoßen. Einige der Entführer hätten in den USA eine Pilotenausbildung absolviert, einer von ihnen soll besagter Atta sein.

Nach Angaben des TV-Senders CNN hatte die Polizei im Laufe des Tages in den US-Bundesstaaten Florida und Rhode Island sowie in Boston im Bundesstaat Massachusetts mehrere Menschen festgehalten, die jedoch nicht als "Verdächtige", sondern als Zeugen behandelt würden.

Immer wieder Boston

Den neuen Erkenntnissen des FBI ging die Festnahme einiger Personen in einem Hotel in Boston voraus. Ob es sich um mögliche Tatbeteiligte handelt oder um Zeugen, blieb zunächst unklar. Polizisten durchsuchten ein Hotelzimmer, das in Verbindung mit einer Person stehe, die auf der Passagierliste eines der entführten Flugzeuge aufgetaucht sei.

Boston spielt bei der Suche nach den Attentätern eine wichtige Rolle. Nach Fernsehberichten fand das Bundeskriminalamt FBI in der Nähe des internationalen Flughafens der Stadt, dem Ausgangspunkt von zwei der entführten Maschinen, ein verdächtiges Auto. Mit ihm sollen fünf Männer arabischen Aussehens angereist sein. In dem Fahrzeug seien Flugunterlagen in arabischer Sprache gefunden worden.

Zwei der Männer hätten Pässe der Vereinigten Arabischen Emirate mit sich geführt. Ein anderer Verdächtiger scheine von Portland (Bundesstaat Maine) nach Boston geflogen zu sein, um sich mit den anderen zu treffen. Auf die Männer waren die Ermittler an Hand der Fluglisten der gekidnappten Passagiermaschinen gestoßen.

Ibn-Ladin-Gruppe in Kanada?

In Florida befragten FBI-Agenten ein Ehepaar, das zwei Flugschüler bei sich untergebracht hatte. Einer der Männer soll das in Boston gefundene Auto gefahren haben. Nach Auskunft des Ehemannes haben die Männer im Juli 2000 in seinem Haus gewohnt. Er habe damit seinem Arbeitgeber, der "Huffmann Aviation" einen Gefallen tun wollen, berichtet die "Hamburger Morgenpost". Beim Ausbilder Carly Voss seien Pilotenscheine gemacht worden. Die Männer seien nur einige Tage geblieben. Sie hätten angegeben, sie seien aus Deutschland eingereist - möglicherweise ist einer der beiden der mutmaßliche Terrorpilot Muhammad Atta.

Die Behörden gingen außerdem Hinweisen aus Kreisen des Geheimdienstes nach, wonach einer der mutmaßlichen Entführer in Kontakt mit Anhängern Ussama Ibn Ladins in Kanada stand. Der Gruppe in Kanada wird vorgeworfen, sie habe während der Feiern zum Jahrtausendwechsel einen terroristischen Angriff auf amerikanischem Boden geplant.

Von dem vierten entführten Flugzeug, das in der Nähe von Pittsburgh abgestürzt ist, fand das FBI inzwischen die so genannte Black Box. Von den Aufzeichnungen versprechen sich die Ermittler nach Berichten des Nachrichtensenders CNN Aufschlüsse über die letzten Minuten in der entführten Maschine. Der United-Flug 93 war am Dienstag 80 Kilometer südlich von Pittsburgh abgestürzt. Passagiere hatten kurz zuvor über Handy die Polizei alarmiert.

Ausbildung durch afghanische Piloten?

Ein Pilot aus Afghanistan hat nach Angaben der saudischen Tageszeitung "Asharq Al-Awsat" 14 arabischen Fundamentalisten beigebracht, wie man Passagiermaschinen vom Typ Boeing 727 fliegt. Wie die in London ansässige arabischsprachige Zeitung unter Berufung auf den Piloten Rasul Birwaz berichtete, waren er und vier andere ehemalige Piloten der afghanischen Fluggesellschaft Ariana vom Taliban-Regime zu dieser Flugausbildung gezwungen worden.

Alle 14 "Flugschüler" hätten Afghanistan vor einem Jahr verlassen, einige von ihm mit europäischen Pässen. Die Männer hätten erst eine Grundausbildung am Boden erhalten. Anschließend seien sie zu einer Militärbasis östlich von Kabul gebracht worden, wo sie von Kapitän Abdel Satar und einem anderen pensionierten pakistanischen General namens Islam Khan "praktische Unterweisungen" erhalten hätten.

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