Vereitelter Anschlag auf US-Notenbank Komplott unter FBI-Regie

US-Fahnder haben einen mutmaßlichen Terroristen festgenommen, der einen Anschlag in New York geplant haben soll. Sein Ziel: die Filiale der Notenbank. Hier lagern Goldbarren im Wert von 400 Milliarden Dollar. Das FBI war von Anfang an informiert.

Die New Yorker Filiale der US-Notenbank ist der sicherste Ort Manhattans. Die massive Sandsteinburg unweit der Wall Street birgt die weltgrößten Goldreserven - rund 7000 Tonnen im Wert von fast 400 Milliarden Dollar hinter meterdickem Beton und Stahl, tief unter der Erde. Als am 11. September 2001 nur zwei Straßen weiter das World Trade Center einstürzte, spürten die Wärter dort keinen Hauch.

Dieses Gebäude in die Luft jagen zu wollen, wäre Wahnwitz. Doch genau das soll Quazi N., 21, vorgehabt haben. Der Bangladescher wollte nach Angaben der US-Justiz eine 450-Kilo-Bombe direkt vor der Fed-Dependance zünden, um im Namen al-Qaidas "zahllose Unschuldige zu töten oder zu verstümmeln" und damit vielleicht auch die US-Präsidentschaftswahlen "zu stoppen". Ein früherer, aber verworfener Plan zielte nach Informationen des TV-Senders CBS sogar direkt auf Präsident Barack Obama.

Bei dem Komplott, das sich über mehrere Sommermonate hingezogen habe, ging N. von Anfang an dem FBI auf den Leim. Am Mittwoch wurde er festgenommen und in Brooklyn der Haftrichterin vorgeführt, während Beamte sein Haus im Stadtteil Queens durchsuchten. Die "New York Times" beschrieb N.s Auftreten vor der Richterin als "jungenhaft, trotz seines gepflegten Barts". Ihm droht lebenslängliche Haft. Ein weiterer, mutmaßlicher Mitverschwörer sei anderswo in den USA festgenommen worden.

Zwei angebliche Komplizen waren vom FBI

Obwohl die gesamte Verschwörung unter den Augen des FBI ablief und, wie es hieß, "nie eine Gefahr für die Öffentlichkeit bestand", fuhren die Fahnder großes Geschütz auf. Obama wurde nach Darstellung seines Sprechers Jay Carney persönlich gebrieft. Schlimmere Vorwürfe "lassen sich nicht vorstellen", erklärte FBI-Vizedirektorin Mary Galligan. "Wir werden alle Mittel nutzen, solche Anschläge zu verhindern, bevor sie stattfinden", ergänzte Bundesstaatsanwältin Loretta Lynch.

Wie andere unlängst aufgedeckte Terrorpläne stand aber auch dieser eben von vorneherein unter FBI-Regie. Zwei Männer, die N. als "Komplizen" zu werben glaubte, waren FBI-Mitarbeiter. Trotzdem liest sich die 21-seitige, detaillierte Anklage wie ein Drehbuch - samt krimireifen Schauplätzen: Hotels, Lagerhäuser, Central Park, die Gassen Lower Manhattans.

N. sei im Januar per Studentenvisum aus Bangladesch eingereist, mit der Absicht, "Dschihad zu führen", heißt es in der Anklage. Er habe "einen Terroranschlag auf US-Boden verüben" und die Wahlen stoppen wollen. N. habe dafür im Juli zwei Komplizen rekrutiert.

Dabei habe es sich jedoch um zwei FBI-Mitarbeiter gehandelt, einen Informanten und einen Undercover-Agenten. Von da an sei das gesamte Vorhaben durch die Joint Terrorism Task Force (JTTF) der US-Bundespolizei und Ermittler des New York Police Departments (NYPD) überwacht und gesteuert worden.

N. habe sich mit Verbindungen zu al-Qaida gebrüstet: So stünde er in Kontakt mit einem Mitverschwörer in den USA namens "Yaqueen" und einem "Bruder" in Bangladesch. In der Tat habe das FBI aufgezeichnet, wie N. via Facebook mit "Yaqueen" kommuniziert habe. Im Dezember habe N. zum Qaida-Training nach Bangladesch zurückkehren wollen.

"Amerika zerstören"

Anfangs habe N. auch andere Ziele erwogen, darunter einen Militärstützpunkt, die US-Börse und ein "hohes Regierungsmitglied". Der Sender CBS meldete am Abend, dass es sich dabei um Obama gehandelt habe. Letztlich, so die Anklage weiter, habe sich N. aber für die Notenbank entschlossen, um die US-Wirtschaft in ihrem Herzen zu treffen, auf diesem Weg "Amerika zu zerstören" und ein "Kalifat" vorzubereiten. In einem Bekennerschreiben habe er "unseren geliebten Scheich" Osama Bin Laden zitiert.

Der FBI-Mann habe N. insgesamt 20 Säcke mit - deaktiviertem - "Sprengstoff" übergeben. Daraus habe N. die "Bombe" gebaut. Am Mittwoch sei er mit dem Agenten zu einem Lagerhaus gefahren, habe die "Bombe" in den Lieferwagen gepackt und dabei erklärt, als "Plan B" ein Selbstmordattentat zu verüben.

Dann hätten sie den Lieferwagen vor der Fed-Filiale geparkt. Im nahen Millenium-Hotel am Ground Zero habe N. ein Video aufgezeichnet, das er später habe veröffentlichen wollen - unter anderem mit den Worten: "Wir werden nicht aufhören, bis wir Sieg oder Märtyrertum erreichen." Unmittelbar nachdem er vergeblich versucht habe, die "Bombe" mit seinem Handy fernzuzünden, sei er festgenommen worden.

Kritik an der Methode der Ermittler

Die Art und Weise, wie diese und andere Verschwörungen aufgedeckt wurden, stieß in der Vergangenheit auf Kritik: Dadurch solle nur weitere Terrorangst geschürt werden. Die Undercover-Cops dienen sich den Terroristen in spe dabei als Komplizen an. Manchmal stellen sie ihnen sogar Geld oder, wie in diesem Fall, Material zur Verfügung. Solche vom FBI choreografierten "Sting Operations" umfassten Komplotts gegen die U-Bahn in Washington und den Kennedy-Flughafen.

"Die Regierung hat sie erst zu Terroristen gemacht", sagte die Bezirksrichterin Colleen McMahon, als sie 2009 vier Männer verurteilte, weil sie mit Hilfe eines FBI-Informanten Synagogen bombardieren und Militärjets abschießen wollten. Das FBI habe "Terrorakte erfunden". Die Verteidigerin Susanne Brody fügte damals hinzu: "Die Regierung besorgt Bombenattrappen und vereitelt das Komplott dann, das ist Wahnsinn." Die Geschworenen schlossen sich dieser Sicht allerdings nicht an.

New Yorks Polizeichef Ray Kelly sagte am Mittwoch, dies sei seit 9/11 das nunmehr 15. Terrorkomplott, das die Behörden aufgedeckt hätten: "Qaida-Angehörige und die, die sie inspiriert haben, haben immer wieder versucht, New York zu ihrem Schlachtfeld zu machen." Zu den Zielen hätten die Brooklyn Bridge und das Citicorp Center in Midtown gehört. Das NYPD - das mehr als tausend Beamte eigens zur Terrorabwehr beschäftigt - dürfe sich jedoch nicht auf Selbstzufriedenheit ausruhen.

"Wir befinden uns im Krieg", erklärte der Republikaner Peter King, der Vorsitzende des Heimatschutzausschusses im US-Repräsentantenhaus. "Viele vergessen das."

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version des Textes hieß es, im Gebäude der Fed New York lagerten 8000 Barren Gold im Wert von 400 Milliarden Dollar. Tatsächlich sind es nach Angaben der Bank 7000 Tonnen. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.