Besuch von EU-Chefdiplomatin Irans Politiker und das "Selfie der Schande"

Federica Mogherini reiste für die Inauguration des iranischen Präsidenten Rohani nach Teheran. Im Parlament war die EU-Chefdiplomatin dann von fotografierenden Politikern umgeben - und das gefiel nicht jedem.
Mogherini im Parlament in Teheran

Mogherini im Parlament in Teheran

Foto: Anadolu Agency/ Getty Images

Irans neuer und alter Präsident Hassan Rohani hat am Samstag seinen Amtseid abgelegt. An der Zeremonie im Parlament in Teheran nahmen auch zahlreiche ausländische Politiker teil, unter anderem die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Fotos von diesem Termin sorgen nun für Kritik an den iranischen Politikern.

Nach dem offiziellen Teil der Inauguration baten zahlreiche Abgeordnete Mogherini um Fotos. Aufnahmen zeigen die 44-Jährige umringt von Männern mit gezückten Handykameras, einige von ihnen machen strahlend Selfies mit der EU-Chefdiplomatin.

Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars News nennt  das Verhalten der fotografierenden Politiker "merkwürdig", es habe zahlreiche Reaktionen auf das "Parlamentsmitgliedern unwürdige Verhalten" gegeben. Auch in den sozialen Netzwerken werden die Fotos mit dem Hashtag "Selfie der Schande" geteilt, die Politiker werden in Fotocollagen mit unterwürfigen Verehrern  oder den sieben Zwergen  aus Disneys "Schneewittchen" verglichen.

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Die BBC zitiert  das Parlamentsmitglied Alireza Salimi mit den Worten, das Verhalten seiner Kollegen sei eine "Unterwerfung vor dem Westen". Einer der Männer in den Fotos, Ahmad Mazani, sagte demnach zur Rechtfertigung, dass es während der Zeremonie verboten gewesen sei, mit "besonderen Gästen" zu sprechen. Deshalb habe man im Anschluss den Kontakt gesucht.

"Das ist eher ein kulturelles als ein politisches Problem", zitiert die BBC Hesam Ashena, der den Präsidenten in kulturellen Fragen berät. "Mit jedem der geschätzten Parlamentsmitglieder in diesem Selfie sollte ernsthaft gesprochen werden."

Ein Berater des ehemaligen iranischen Präsidenten Mohammed Chatami, Sadegh Kharrazi, schlug dem Bericht zufolge vor, dass sämtliche Abgeordnete ein Training absolvierten, in dem es um "Verhaltensregeln und allgemeine moralische Werte" gehe. Mogherini hat sich zu der Selfie-Diskussion nicht geäußert.

Mogherini im Parlament in Teheran

Mogherini im Parlament in Teheran

Foto: TIMA AGENCY/ REUTERS

Der moderate Kleriker Rohani hatte die Präsidentschaftswahl im Mai klar gewonnen und kann damit vier weitere Jahre im Amt bleiben. Nach seiner Vereidigung am vergangenen Samstag sagte er, sein Motto sei weiterhin Frieden, Freiheit und Entwicklung.

Auch außenpolitisch wolle er seine moderate Politik fortsetzen. "Wir glauben nicht an die Mutter aller Bomben, sondern an die Mutter aller Verhandlungen, nicht an die Mutter aller Sanktionen, sondern an die Mutter aller Zusammenarbeit", sagte Rohani. Das Atomabkommen von 2015 mit den Weltmächten habe bewiesen, dass auch die aussichtslosesten und kompliziertesten Verhandlungen zum Erfolg führen können, sagte Rohani.

Das Abkommen soll sicherstellen, dass die Islamische Republik ihre Atomtechnologie nur zu zivilen Zwecken einsetzt. Im Gegenzug hebt der Westen seine Wirtschaftssanktionen auf. Mogherini betonte laut einer Mitteilung vom Wochenende  die ungebrochene Unterstützung der EU für die Vereinbarung sowie deren Bedeutung für regionale und globale Stabilität. Alle Beteiligten müssten das Abkommen in Gänze umsetzen.

Mitte Juli hatten die USA unter Präsident Donald Trump neue Sanktionen gegen 18 Menschen und Einrichtungen in Iran verhängt. Zur Begründung hieß es aus dem Außenministerium, man reagiere auf "anhaltende Bedrohungen" durch Iran, darunter das Raketenprogramm des Landes und die Unterstützung Teherans für Terrorgruppen. Iran warf den USA daraufhin eine "Vergiftung des internationalen Klimas" vor.

aar/dpa
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