Feindbild Syrien US-General widerspricht Rumsfeld

Wieder ein Nackenschlag für US-Verteidigungsminister Rumsfeld. Ausgerechnet ein hochrangiger Kommandeur der US-Truppen in Irak widersprach dem Minister, der behauptet hatte, Syrien unterstütze den Irak mit militärischem Gerät. In der arabischen Welt wächst unterdessen der Zorn wegen der immer massiveren Drohungen der USA gegen die Nachbarstaaten des Irak.


Verteidigunsminister mit klaren Feindbildern: Donald Rumsfeld
DPA

Verteidigunsminister mit klaren Feindbildern: Donald Rumsfeld

Doha - Überraschend widersprach US-Brigadegeneral Vincent Brooks am Montag auf einer Pressekonferenz des US-Zentralkommandos in Katar seinem Verteidigungsminister. Rumsfeld hatte zuvor in Washington den Vorwurf erhoben, Syrien würde militärische Nachtsichtgeräte an den Irak liefern. Ihm sei nicht bekannt, dass bislang solche Geräte entdeckt worden seien, sagte dagegen Brooks.

Rumsfeld hatte von einem "feindlichen Akt" gesprochen, für den Syrien zur Verantwortung gezogen werden könne. Brooks sagte auf die Frage, was die USA zu der Warnung an Syrien bewogen haben könnte, dafür seien "Hauptstädte und nicht dieses Kommando" zuständig.

Verärgerung bei der Arabischen Liga

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, kritisierte unterdessen die Vorwürfe der USA an das Mitgliedsland Syrien. Die Zeitung "Egyptian Gazette" zitierte Mussa mit den Worten: "Für diese Anschuldigungen wurden keine Beweise vorgelegt. Solche Anschuldigungen werden die Situation nur weiter anheizen." In der BBC sagte Mussa: "Wir wollen Demokratie, aber nicht auf den Flügeln von B-52-Bombern". Eine Ausweitung des Kriegs werde zur unvorstellbaren Katastrophe.

Der Vorsitzende der Arabischen Liga, Amre Mussa (r.)
KARIM SAHIB / AFP

Der Vorsitzende der Arabischen Liga, Amre Mussa (r.)

Bei einem Treffen mit dem griechischen Außenminister und EU-Ratsvorsitzenden Giorgos Papandreou legte Mussa nach: "Es gibt genug Zorn in der Region. Ein Überschwappen des Krieges (auf Syrien und Iran) wird nicht nur den Nahen Osten, sondern auch den Mittelmeerraum destabilisieren."

Powell droht Syrien

Am Vorabend hatte US-Außenminister Colin Powell mit scharfen Worten Syrien und Iran angegriffen. Er warnte insbesondere die syrische Führung, sie werde zur Rechenschaft gezogen, wenn sie weiterhin dem irakischen Regime von Saddam Hussein helfe. Syrien könne die direkte Unterstützung für Terroristengruppen und "das sterbende Regime" von Saddam Hussein fortsetzen, "oder es kann einen anderen und hoffnungsvolleren Kurs einschlagen", erklärte der Minister. "So oder so: Syrien trägt die Verantwortung für seine Wahl und für die Konsequenzen."

Iran müsse sein Streben nach Massenvernichtungswaffen einstellen und seine "Opposition gegen alle Terrorgruppen erklären, die gegen den Friedensprozess im Nahen Osten arbeiten", sagte Powell vor der einflussreichen pro-israelischen Lobbyisten-Organisation American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) weiter. Es sei an der Zeit, dass die Staatengemeinschaft einschreite und Druck auf Teheran ausübe, damit seine Unterstützung für den Terrorismus aufhöre.

Iran: USA wollen "israelisches Regime stärken"

Der staatliche iranische Fernsehsender IRIB bezeichnete am Montag die Warnungen als Vorwand für US-Bestrebungen, eine totale Herrschaft über die Region zu erringen. Der iranische Parlamentsabgeordnete Ali Akbar Mohtaschemi wurde mit den Worten zitiert, das Hauptziel der Amerikaner im Irak-Krieg sei die Errichtung einer neuen Ordnung im Nahen Osten, "um das israelische Regime zu schützen und zu stärken".

Gemeinsames Weltbild: George W. Bush und Donald Rumsfeld
AP

Gemeinsames Weltbild: George W. Bush und Donald Rumsfeld

Die gegenseitigen Beschuldigungen haben eine lange Vorgeschichte. US-Präsident George W. Bush hatte nach dem 11. September 2001 neben dem Irak auch den Iran als Teil einer "Achse des Bösen" bezeichnet und damit bei der Führung in Teheran Befürchtungen ausgelöst, die Islamische Republik könnte das nächste Ziel der USA sein. Seitdem beschwören iranische Politiker die Neutralität ihres Landes im Irak-Konflikt.

In den vergangenen Tagen haben Korrespondenten aus Syrien und Jordanien wiederholt berichtet, dass sich dort freiwillige Kämpfer bei den irakischen Botschaften melden oder direkt zur Grenze fahren ließen, um im Irak gegen die alliierten Truppen zu kämpfen. Vor allem Exil-Iraker würden sich melden, die über das Ausmaß der angewendeten Gewalt der Amerikaner und Briten entsetzt seien. Zumindest zum Teil zählen sie sich selber nicht zu Anhängern Saddam Husseins.

Holger Kulick



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