Vorwürfe gegen Ukraine Femen-Aktivistinnen wurden offenbar verprügelt

Drei Aktivistinnen der Frauengruppe Femen erheben schwere Vorwürfe gegen den ukrainischen Geheimdienst: Sie sollen im EM-Spielort Donezk verschleppt und verprügelt worden sein. Erst nach stundenlangen Verhören habe man sie freigelassen, behaupten die Frauen. Die Polizei bestätigte die Festnahmen.

Femen-Aktivistin bei einer Protest-Aktion in Hamburg: In Donezk gab es Festnahmen
DPA

Femen-Aktivistin bei einer Protest-Aktion in Hamburg: In Donezk gab es Festnahmen


Hamburg - Mehrere Stunden wurden Alexandra Schwetschenko, Jana Tschanowa und Anna Bolschakowa in Donezk vermisst, dann tauchten sie in der Nacht zum Samstag wieder auf: Nach Angaben der Polizei wurden die Mitglieder der radikalen Protestgruppe Femen festgenommen, Vorwürfe wegen körperlicher Gewalt aber zurückgewiesen. Zwei Frauen seien vor dem EM-Spiel zwischen Co-Gastgeber Ukraine und Frankreich am Freitag verhaftet worden, nachdem eine Zeugin gehört habe, dass diese "etwas Schlechtes planen" würden, sagte Juri Sednew, Polizeichef von Donezk bei einer Pressekonferenz am Samstag.

"Wir haben eine dritte Frau auf die Polizeistation gebeten, so dass sie sich überzeugen konnte, dass kein Druck auf die Frauen ausgeübt wird", erklärte Sednew laut englischer Übersetzung weiter. Es sei bei der Festnahme keine Zeitbeschränkung überschritten worden.

Die Feministinnen hatten zuvor auf ihrer Internetseite schwere Vorwürfe gegen den ukrainischen Geheimdienst erhoben. Demnach sollen die Frauen im EM-Spielort Donezk "am helllichten Tag" und "mit roher Gewalt" in ein Auto gestoßen worden und anschließend von Geheimdienst-Mitgliedern neun Stunden lang "unter moralischem Druck und ohne Kontakt zur Außenwelt" verhört worden sein. Einem Mitglied der Gruppe sei ins Gesicht geschlagen worden.

"Die Frauen aus der Donbass-Gegend sind viel schöner als diese Frauen"

Der Bericht soll nahelegen, dass es sich bei den Entführern um Sicherheitsleute von Milliardär Rinat Achmetow handelt, dem einflussreichsten Mann in dem Gebiet an der Grenze zu Russland. "(Präsident Wiktor) Janukowitsch interessiert uns einen Scheiß, wir bewachen Rinat", habe einer der Männer gesagt, schrieb Femen.

Alle Frauen sollen nach ihrer Ankunft in Donezk systematisch überwacht worden sein. Auch Büroräume der Gruppe sollen verwanzt worden sein und unter ständiger Überwachung stehen.

Donezks Bürgermeister Alexander Lukjantschenko verspottete die Gruppe: "Ich kann versichern, dass Frauen aus der Donbass-Gegend viel schöner als diese Frauen sind, lokale Journalisten können Ihnen dies bestätigen."

Femen ist international für seine Aktionen bekannt, die sich unter anderem gegen Prostitution, Sextourismus, Wahlbetrug und Korruption richten. Fast immer ist dabei nackte Haut im Spiel.

Mitte Dezember waren Mitglieder der ukrainischen Gruppe in Weißrussland verschleppt und verhört worden. Erst nachdem sich das ukrainische Außenministerium eingeschaltet hatte, kamen die Frauen frei.

Auch das Eröffnungsspiel der Fußball-EM hatte die Organisation als Bühne für ihren Protest gegen Prostitution und Frauenfeindlichkeit genutzt. Mitglieder der Gruppe entblößten vor dem Nationalstadion von Warschau ihre Brüste, riefen "Fuck EURO" und machten damit wieder einmal spektakulär auf ihre Ziele aufmerksam.

jjc/dpa/sid



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