Festnahme Der Spion, der aus dem Westen kam

Mehr als 15 Jahre soll ein ranghoher FBI-Beamter für Moskau spioniert haben. Der Direktor der US-Bundespolizei spricht von einem schwerwiegenden Fall. US-Präsident Bush ist ernsthaft besorgt.


Todesstrafe droht: Philip Hanssen
AFP

Todesstrafe droht: Philip Hanssen

Washington - Unabsehbaren Schaden sei angerichtet worden. Sogar US-Präsident George W. Bush schaltete sich in den Fall ein. "Die Anschuldigungen sind extrem ernsthaft und tief erschütternd", sagte Bush gegenüber Reportern an Bord Air Force One auf einem Flug nach St. Louis.

Wie das FBI am Dienstag mitteilte, wurde Robert Philip Hanssen am Sonntagabend in Vienna im US-Staat Virginia festgenommen. Nach Angaben von FBI-Direktor Louis Freeh handelt es sich um einen schwerwiegenden Fall von Landesverrat. Hanssen war beim FBI in der Spionageabwehr tätig.

Das ganze Ausmaß sei noch nicht absehbar, sagte Freeh in einer Pressekonferenz in Washington. Der Festgenommene wurde am Dienstag formell der Spionage und der Verschwörung zur Spionage beschuldigt. An den Ermittlungen gegen Hanssen waren das FBI, der Geheimdienst CIA und das Außenministerium beteiligt. Kurz vor seiner Festnahme soll Hanssen nach Medienberichten ein Päckchen in einem so genannten toten Briefkasten deponiert haben. Für seine Spionagetätigkeit für die frühere Sowjetunion und Russland soll Hanssen dem FBI zufolge bis zu 1,4 Millionen Dollar in bar sowie Diamanten erhalten haben.

Den Ermittlungsakten zufolge wurden Hanssen 1985 vom damaligen sowjetischen Geheimdienst KGB angeworben. Er war damals im FBI-Büro in New York für Spionageabwehr zuständig. Hanssen soll Moskau die Namen von drei KGB-Mitarbeitern preisgegeben haben, die auch für die USA spioniert haben. Nach Angaben von Freeh wurden zwei von ihnen nach ihrer Rückkehr nach Moskau vor Gericht gestellt und hingerichtet. Der dritte sei zu einer Haftstrafe verurteilt und inzwischen freigelassen worden.

Freeh sagte, man wisse bisher noch nicht, weshalb Hanssens Spionagetätigkeit über 15 Jahre habe unentdeckt bleiben können. Er und Justizminister John Ashcroft kündigten eine Überprüfung der internen Abläufe beim FBI an, damit sich ein solcher Fall nicht wiederholen könne. Hanssen ist erst der dritte FBI-Beamte, der der Spionage beschuldigt wird.

Nach Angaben des stellvertretenden Justizministers Randy Bellows droht Hanssen im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe. Eine erste Gerichtsanhörung ist für den 5. März festgesetzt. Justizminister Ashcroft nahm den Fall zum Anlass, die Bevölkerung zur Wachsamkeit aufzurufen. `Die Festnahme Robert Hanssens sollte jeden Amerikaner daran erinnern, dass unser Land, unsere freie Gesellschaft, ein internationales Ziel in einer gefährlichen Welt ist."



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