Festnahme in Pakistan Rätselraten um Verdächtigen

Die Nachricht von der Festnahme eines Terrorverdächtigen hat die Behörden aufgeschreckt: Bei ihm sollen deutsche Stadtpläne entdeckt worden sein. Ohne weitere Informationen können die Geheimdienstler aber kaum einschätzen, ob der Mann wirklich Anschläge in Deutschland plante.


Berlin - Nach der Festnahme von Osama Bin Yousaf äußerte sich heute Bundesminister Otto Schily offiziell zu dem Fall: "Ich kann ihnen nur sagen, dass mir bekannt ist, dass dort jemand festgenommen worden ist", sagte der Minister. Bisher sei nichts gesichert, vor schnellen Schlüsse sei zu warnen. Allerdings gingen sein Ministerium und die nachgeordneten Sicherheitsbehörden BKA und der Auslandsgeheimdienst dem Fall intensiv nach.

Ähnliches war auch aus den Behörden zu hören. Ein hochrangiger Beamter sagte, bisher habe man aus Pakistan selber kaum Material über die Festnahme bekommen. Die wenigen Zeilen von den dortigen Behörden seien "absolut mau" und würden eine ernsthafte Bewertung des Falls nicht ermöglichen. Deshalb bemühen sich sowohl der Bundesnachrichtendienst (BND) als auch die Behörden weiter intensiv um Details aus Pakistan.

Bisher stützen sich die Meldungen auf einen Bericht einer pakistanischen Tageszeitung und Ergänzungen des Journalisten der "Daily Times" aus Lahore. Demnach hatten die pakistanischen Fahnder bei dem festgenommenen Bin Yousaf Karten gefunden, auf denen die deutschen Städte Bonn und Frankfurt und auch die europäischen Großstädte Rom, Mailand und London rot angestrichen gewesen seien. Zudem berichtete der Journalist, die Behörden stuften den 36-Jährigen als radikalen Islamisten mit Verbindungen zu al-Qaida ein.

Widersprüche am laufenden Band

Die Nachrichtenagenturen sendeten heute widersprüchliche Meldungen. Während die Agentur ddp von einem CIA-Mitarbeiter in Washington eine Bestätigung für den Fund der Landkarten bekommen haben wollte, meldete dpa aus Islamabad ein Dementi der Behörden. Die Geschichte aus der Zeitung sei "Müll" zitierte die deutsche Agentur einen nicht namentlich genannten Geheimdienstler.

In Deutschland selber bemühten sich die Behörden auf vielen Wegen um valide Informationen. Bisher allerdings sei bis auf ein knappes Memo nichts aus Pakistan gekommen, sagte ein beteiligter Beamter. Dies bleibe von der Genauigkeit weit hinter den Zeitungsberichten zurück und sei deshalb kaum zu gebrauchen.

Frust für die Behörden

Mittlerweile haben die Deutschen auch den Kontakt zu US-Behörden gesucht, die angeblich besser von Pakistan informiert werden. Auch von dort aber erhielt man keine klaren Antworten. Mit den Pakistanern selber haben die Geheimdienstler spezielle Erfahrungen. Meist komme von dort nur, was kein schlechtes Bild aufs eigene Land werfe, sagte ein Beamter.

Die schlechte Informationslage ist frustrierend für die deutschen Dienste. Sollten die Berichte über Telefonanrufe des Verdächtigen nach Deutschland stimmen, wären die Terror-Fahnder sehr interessiert an den angerufenen Nummern. Die bisherigen Fakten müssen die Fahnder aus Zeitungen entnehmen. Sie haben kaum eine echte Chance, selber zu ermitteln.

Trotzdem zeigten sich die meisten Beteiligten optimistisch, in den nächsten Tagen mehr Infos zu bekommen. Erst dann könne man sagen, ob die Festnahme für Deutschland Bedeutung habe oder nicht.

Matthias Gebauer



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