Festnahmen in Barcelona Spanische Presse berichtet von Anschlagsplänen in Deutschland

Sie planten eine Serie von Selbstmordattentaten in Barcelona - und wollten offensichtlich auch in Deutschland zuschlagen: Wie spanische Zeitungen berichten, soll die vor einer Woche aufgelöste mutmaßliche Terrorzelle auch in Deutschland einen Anschlag geplant haben.


Hamburg - Dreimal wollten sie in Barcelona zuschlagen - davon gehen die spanischen Ermittler mit großer Sicherheit aus. Doch die vor einer Woche zerschlagene mutmaßliche Terrorzelle plante offenbar auch einen Anschlag in Deutschland. Wie die Zeitung "El País" unter Berufung auf einen "eingeschleusten Informanten" berichtete, bereitete die Gruppe insgesamt drei Anschläge in Spanien, einen in Deutschland sowie weitere in Frankreich, Portugal und Großbritannien vor.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums wollte das gegenüber SPIEGEL ONLINE weder bestätigen noch dementieren. "Wir verweisen dazu auf die spanischen Behörden", sagte er. Man stehe aber im ständigen Kontakt mit den Behörden der Nachbar- und anderer EU-Länder.

Die spanische Polizei hatte am Samstag vor einer Woche 14 Verdächtige, zwölf Pakistaner und zwei Inder, festgenommen. Zehn von ihnen sind seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Nach Informationen aus spanischen Justizkreisen konnten drei der sechs potenziellen Selbstmordattentäter während der Polizeiaktion flüchten. Die Pläne der Islamisten waren den Ermittlern zufolge weit fortgeschritten: Am vergangenen Wochenende hätten sich drei mutmaßliche Mitglieder der Zelle in öffentlichen Verkehrsmitteln in die Luft sprengen wollen, sagte Ermittlungsrichter Ismael Moreno. Die Anschläge sollten sich gegen die U-Bahn von Barcelona, der zweitgrößten Stadt des Landes, richten.

Der nun von "El País" zitierte Informant soll laut der Zeitung "El Périodico de Catalunya" für den französischen Geheimdienst arbeiten. Er ist nach Angaben von "El País" erst vor kurzem mit dem Zug aus Frankreich in Barcelona eingetroffen, um sich vorgeblich an den Anschlagsvorbereitungen zu beteiligen. Seine Aussage habe zur Festnahme der Verdächtigen aus dem radikalislamischen Milieu geführt.

Auch der Informant soll demnach als Attentäter in Barcelona vorgesehen gewesen sein. Für die Anschläge sollte anschließend ein Taliban-Führer aus dem pakistanischen Grenzgebiet im Namen von al-Qaida die Verantwortung übernehmen.

Die Festgenommenen bestritten bei ihren Vernehmungen, in terroristische Aktivitäten verwickelt zu sein. Die Polizei hatte jedoch in einer Wohnung Material zur Herstellung von Bomben sichergestellt. Nach Presseberichten sollen die Islamisten allerdings noch nicht über genügend Substanzen verfügt haben, um Sprengsätze herzustellen.

Der spanische Polizeichef Joan Mesquida bezeichnete die Zerschlagung der Zelle als eine "präventive Aktion". Die Festgenommenen hätten "das Profil von Selbstmordattentätern" gehabt. "Wir können nicht das Risiko eingehen, dass solche Leute ihre Absichten eines Tages in die Tat umsetzen."

flo/AFP/dpa



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