Kuba Fidel Castro lobt seinen Bruder für Handschlag mit Obama

"Mister Präsident, ich bin Castro": Mit diesen Worten soll sich Raúl Castro seinem US-Pendant Barack Obama vorgestellt haben. Das schrieb Kubas Ex-Präsident Fidel Castro und gratulierte seinem Nachfolger und Bruder für einen "brillanten Auftritt".

Kubas Präsident Castro (l.), Obama: Historischer Handschlag
AP/dpa

Kubas Präsident Castro (l.), Obama: Historischer Handschlag


Havanna - Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro hat seinen Nachfolger und Bruder Raúl Castro für dessen Handschlag mit Barack Obama bei der Trauerfeier für Nelson Mandela gelobt. Raúl habe Höflichkeit und Achtung mit dieser Geste demonstriert, so der ältere Castro in einem Beitrag, der in der Parteizeitung "Granma" veröffentlicht wurde.

"Ich gratuliere Genosse Raúl für seinen brillanten Auftritt", so Fidel Castro, "besonders für seine Standhaftigkeit und Würde, mit der er den Präsidenten der USA begrüßte." Der 82-Jährige soll sich laut seinem Bruder mit den Worten "Mr. Präsident, ich bin Castro", vorgestellt haben.

Bei der Trauerfeier für den verstorbenen früheren südafrikanischen Präsidenten und Volkshelden Nelson Mandela hatten sich Raúl Castro und Obama einige Sekunden lang die Hände geschüttelt und ein paar Worte gewechselt. Was sie gesagt hatten, war bislang unbekannt. Die Geste war historisch, zuvor hatten sich die Präsidenten beider Länder nicht öffentlich begrüßt. Außerdem sind die Beziehungen der USA und Kubas seit Jahrzehnten angespannt, seit mehr als 50 Jahren gibt es ein Handelsembargo der USA gegen den sozialistischen Staat.

Fidel Castro offenbar in gutem Gesundheitszustand

Dementsprechend groß war die Aufregung um die Geste und was sie möglicherweise zu bedeuten hatte. Das Weiße Haus spielte den Handschlag jedoch herunter und teilte mit, die Begegnung sei nicht vorab geplant gewesen.

Der 87-jährige Fidel Castro hatte das Präsidentenamt 2008 aus gesundheitlichen Gründen an seinen jüngeren Bruder Raúl abgegeben und sich lange weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In dem Beitrag schrieb Fidel Castro vor allem über Mandela, der "ein ganzer Mann, ein fundierter Revolutionär und ein radikaler Sozialist" gewesen sei, der mit Gleichmut 27 Jahren Haft ausgehalten habe. "Ich habe nie aufgehört, seine Ehrlichkeit, Bescheidenheit und seinen enormen Verdient zu bewundern", so Castro.

Der Ex-Präsident Kubas war eine führende Stimme gegen die Apartheid, als andere Regierungen noch stumm blieben. Nachdem sich Castro nicht zu Mandelas Tod geäußert hatte, gab es Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. Dieser soll sich aber offenbar gebessert haben. Die kubanische Regierung veröffentlichte am Montag ein Foto, das einen lebhaften Castro zeigte. Sein Biograf, der spanische Journalist Ignacio Ramonet, sagte, Castro befinde sich in einem exzellenten Zustand.

max/Reuters/AP



insgesamt 12 Beiträge
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grübelitis 19.12.2013
1. Da hat es die Granma,
das offizielle Organ der kubanischen Kommunisten heute glatt geschafft, mit zwei Meldungen in den deutschen Medien zu erscheinen. Zumindest Spiegel-Online schiebt dann nach der Autoimportnachricht doch noch irgendeine Nachricht über symbolische Handlungen wie Händeschütteln nach. Immerhin aber wird deutlich, irgendwer hält aus welchen Interessen auch immer heraus, das eine und das andere für bemerkenswert. Stoff für Phantasie?
derger 19.12.2013
2. Schöne Geste....
....und ich hoffe ja das sich die USA unter Barack Obama endlich mal zu einer besseren und gleichgestellten Politik gegenüber Kuba bewegen. Das Handelsembargo ist doch völlig überzogen und ein überbleibsel des Kalten Krieges.
Old School 19.12.2013
3.
Zitat: "Das Weiße Haus spielte den Handschlag jedoch herunter und teilte mit, die Begegnung sei nicht vorab geplant gewesen." Zitat Ende Ist doch schön dass diese würdige Geste spontan und ungeplant zustande kam, das macht die Handlung umso gewichtiger.
horbach.michael 19.12.2013
4. fidel castro lobt seinen bruder
"Der Ex-Präsident Kubas war eine führende Stimme gegen die Apartheid, als andere Regierungen noch stumm blieben." gut und fair, dass dies auch mal erwähnt wird! wir können selbsicher genug sein, um auch die leistungen kubas anzuerkennen. das erwarte ich von einer freien presse.
neanderspezi 19.12.2013
5. Schüttelgesten haben gelegentlich auch etwas Erwärmendes an sich
Da treffen sich anlässlich der Trauerfeier für den Friedenshelden Nelson zwei Hände, zwei Rechte und schütteln sich, nice to feel you, hi Barack, hi Raul, how do you do. Wenn jetzt noch durch das Schütteln wachgerüttelt empfindsame Sensoren eine wohlgesonnene Nachricht jeweils nach oben weitergeleitet haben sollten, dürfte vielleicht ein Mehr an gegenseitiger künftiger Rücksichtsnahme herausspringen auch für die Hintersassen der präsidial geschüttelten Hände. Oft sollen es ja die kleineren Ereignisse sein, die selbst bei Systemunverträglichkeit so etwas wie Nachdenklichkeit und ganz von fern Vertrauen einläuten können, besonders wenn neben den Händen auch die Köpfe den Versuch wagen sollten mitzuspielen, selbst wenn die jeweils heimischen Administrationen wegen Hornhaut diesen Vorgang nicht nachvollziehen können.
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