Finale im US-Wahlkampf Moore schickt 1200 Beobachter mit Kameras nach Ohio und Florida

Der Countdown zur wichtigsten Wahl des Jahres läuft. In rund 48 Stunden öffnen die Wahllokale an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Dominierendes Thema in den letzten Stunden: Das neue Bin-Laden-Video. Die entscheidende Wahlschlacht wird in den Bundesstaaten Ohio und Florida geschlagen.

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Polit-Filmer Michael Moore: Selbsthilfe gegen Wahlbetrug
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Polit-Filmer Michael Moore: Selbsthilfe gegen Wahlbetrug

Berlin - Im Endspurt des US-Wahlkampfes versuchen sowohl Präsident George W. Bush als auch sein Herausforderer John F. Kerry aus der Videobotschaft des Top-Terroristen Bin Laden Kapital zu schlagen. Bush gibt sich dabei staatsmännisch und setzt darauf, dass die Amerikaner ihn, den obersten Kämpfer gegen den weltweiten Terrorismus, im Amt bestätigen werden. John Kerry schwört, bei einem Wahlsieg ebenso alles zu unternehmen, um die al-Qaida zu zerstören. Er werde dabei allerdings eine intelligentere Strategie anwenden als der amtierende Präsident, verspricht der Demokrat.

Unmittelbar nach der Ausstrahlung der Videobotschaft Bin Ladens im arabischen Sender al Dschasira hatte Kerry dem Präsidenten schwere Versäumnisse bei der Jagd nach dem Qaida-Führer vorgeworfen. Es sei ein schwerer Fehler gewesen, dass Bush im Jahr 2002 die Jagd auf Bin Laden afghanischen Warlords überlassen habe.



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Dass das Thema "Terrorismus" die Schlussphase des Wahlkampfes prägt, kommt neuesten Umfragen zufolge erwartungsgemäß eher Präsident Bush zugute. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP konnte Bush nach der jüngsten Wählerbefragung an Kerry vorbeiziehen. Genaue Daten wurden in dem Bericht nicht genannt.

Allerdings sind landesweite Meinungsumfragen aufgrund des Wahlsystems der USA, bei dem die Kandidaten jeweils in den einzelnen Bundesstaaten die Mehrheit gewinnen müssen, nicht sehr aussagekräftig. Der US-Präsident wird am Ende von Delegierten - so genannten Wahlmännern - gewählt. Jeder Bundesstaat entsendet eine bestimmte Anzahl von Wahlmännern. Der Kandidat, der in einen Bundesstaat die Mehrheit hat, gewinnt alle Wahlmännerstimmen dieses Staates.

Top-Terrorist Bin Laden: Top-Thema im Wahlkampffinale
AFP

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Nach Berechnungen der "New York Times" ist das Rennen in 44 der 50 Bundesstaaten der USA praktisch gelaufen. Nur in sechs Staaten ist es noch spannend: New Mexiko, Iowa, Wisconsin, Michigan, Ohio und Florida. Danach hatte Bush bereits 227 der benötigten 270 Wahlmännerstimmen sicher, sein Herausforderer 225. Besonders wichtig sind nun die bevölkerungsreichen Bundesstaaten Florida und Ohio - hier liegen Amtsinhaber Bush und sein demokratischer Herausforderer Kerry in den Umfragen Kopf an Kopf. Sollte einer der beiden Kandidaten beide Staaten gewinnen, hätte er damit automatisch die Wahl gewonnen - insofern die Hochrechnung der "Times" für die übrigen Staaten stimmen.

Aufgrund der Bedeutung der Abstimmungen in Ohio und Florida schickt der Filmemacher und Bush-Hasser Michael Moore Hunderte mit Kameras bewaffnete Beobachter in die Wahllokale der beiden Staaten. Dies sei eine Botschaft an diejenigen, die eine Stimmabgabe unterdrücken wollten, erklärte Moore am Samstag: "Einschüchterung der Wähler (...) wird nicht toleriert". Insgesamt sollen sich 1.200 Helfer in den beiden so genannten "Swing States" aufstellen. Überwacht werden soll der Wahlprozess besonders in Gebieten mit einem hohen Anteil an Minderheiten.

Herausforderer Kerry: In wenigen Stunden Präsident der USA - oder wieder ein politischer Nobody
AP

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Der Produzent von "Fahrenheit 9/11" nahm am Samstagabend an einer Wahlkampfveranstaltung in Ohio teil. Besuche in Ohio und Florida sind außerdem für den Wahltag am Dienstag geplant, wie eine Sprecherin Moores erläuterte. Aus Florida wurden bereits Probleme bei der Stimmabgabe gemeldet. Hier entschieden vor vier Jahren nur 537 Stimmen über den Sieg im Bundesstaat und damit über den Einzug Bushs ins Weiße Haus.

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