Finanzlücke Afghanistan fehlen Milliarden für sein Militär

Das afghanische Militär soll nach dem Abzug der Isaf-Truppen das eigene Land alleine sichern. Nur: Dafür mangelt es an Geld. Einem Zeitungsbericht zufolge fehlen mindestens vier Milliarden Dollar, der Kampf gegen die Taliban wäre so fast aussichtslos. Nun sollen die Nato-Staaten mehr zahlen.

Soldaten der afghanischen Armee: Ab 2014 sollen sie ihr Land alleine sichern
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Soldaten der afghanischen Armee: Ab 2014 sollen sie ihr Land alleine sichern


Hamburg - Im Jahr 2014 sollen die letzten Soldaten der Isaf-Truppe Afghanistan verlassen haben. So hat es die Nato beschlossen. Bis dahin soll das afghanische Militär so weit ausgebildet und ausgestattet sein, dass es den Kampf gegen die Aufständischen im eigenen Land selber führen kann. Doch nun heißt es, für den Plan fehle das Geld. Viel Geld.

Die afghanischen Sicherheitskräfte sehen einem Bericht der englischen Zeitung "Guardian" zufolge einer Finanzierungslücke von vier Milliarden Dollar entgegen. Fraglich sei nun, heißt es in dem Bericht, ob die Regierung in Kabul über ausreichend Reserven verfügt, um den Kampf gegen die Taliban fortzuführen.

Die Armee und die Polizei in Afghanistan haben derzeit gemeinsam rund 308.000 Mann. Geplant ist eine Aufstockung bis zum Ende des kommenden Jahres auf 352.000 Mann. Eine Armee in dieser Größenordnung würde Kosten in Höhe von acht Milliarden Dollar verursachen, berichtet der "Guardian". Die US-Regierung wolle davon nach 2014 aber lediglich drei Milliarden Dollar schultern, hätten hohe Regierungsbeamte ihren europäischen Kollegen unterbreitet. Eine weitere Milliarde komme über andere Spenden herein, heißt es weiter. Mit dieser Summe sei allerdings lediglich eine Truppe in der Größe von 220.000 Soldaten zu finanzieren.

Internationale und afghanische Beamte in Kabul seien der Auffassung, dass diese kleinere Armee nur unter der Bedingung ausreichend sei, dass entweder ein Durchbruch bei den Friedensverhandlungen erzielt wird oder die Taliban aufgeben. Beides scheint derzeit wenig realistisch.

Eine Übereinkunft darüber, wie die Finanzierungslücke geschlossen werden soll, wird frühestens für den Nato-Gipfel im nächsten Sommer in Chicago erwartet. Die amerikanische Regierung will bis dahin von anderen Staaten mehr als die bisher zugesagte eine Milliarde mobilisieren. Zudem bereiten sie die afghanische Regierung darauf vor, dass sie möglicherweise mit einer kleineren Armee auskommen muss als geplant. Der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak warnte bereits, dass eine Finanzierungslücke bei der Armee dazu führen könnte, dass sein Land zurück ins Chaos falle.

Die Nachricht dürfte auch auf der kommende Woche beginnenden Afghanistan-Konferenz in Bonn eine Rolle spielen. Präsident Hamid Karzai trifft bereits am Nachmittag in Deutschland ein. Auf der Konferenz sollen Hilfen für Kabul über das Jahr 2014 hinaus beraten werden.

Kurz vor Beginn der Konferenz waren am Freitag Dokumente aufgetaucht, die wenig Hoffnung auf eine aussichtsreiche Zukunft nach dem beschlossenen Abzug der Nato-Truppen machen.

Die "Bild"-Zeitung berichtet am Freitag unter Berufung auf geheim eingestufte Analysedossiers der Bundeswehr und der US-Armee, Afghanistan werde nach dem Rückzug des Westens schnell wieder im Chaos versinken. Konkret heißt es in einem Papier: "Wenn die Isaf-Truppen das Land verlassen, wird es Bürgerkrieg geben."

ler

insgesamt 32 Beiträge
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wwwwalter 02.12.2011
1. Keinen Euro nach Korruptistan !
Wenn sich mal ausrechnet, was den NATO-Staaten der Afghanistan-Krieg jährlich so kostet, dann sind die vier Milliarden im Grunde genommen Peanuts. Das Problem ist aber die Korruption. Gibt man ihnen Geld, versandet es irgendwo... gibt man ihnen Waffen, sind sie ein paar Wochen später in den Händen von Taliban. Eigentlich gibts nur eins: abziehen, und dieses Land sich selbst überlassen. Weder mit Geld, noch mit Waffen wird man dort irgendwas Sinvolles erreichen.
muwe6161 02.12.2011
2. Blödsinn
In Afghanistan wird mit Bargeld gekämpft. Die Taliban müssen dann einfach ein bisschen mehr für das überlaufen der regulären Armee bezahlen, damit sie zu den Taliban überläuft. So gibt es keinen Frieden!
hausierer 02.12.2011
3. Afghanistan fehlen Milliarden für sein Militär
Seit dem Einmarsch der Nato Truppen ist die Opiumproduktion um ein vielfaches angestiegen, genauer gesagt seit 2001. Zufall ? Mit Sicherheit nicht. Wer dealt hier mit wem ? Geld wäre demnach genug im Land, oder wer verdient hier sonst noch so mit ? Wie lange lassen wir uns noch von denen belügen, die mit der Rauschgiftmafia international zusammenarbeiten ?
bibernell 02.12.2011
4. Wie jetzt...
Zitat von sysopDas afghanische Militär soll nach dem Abzug der Isaf-Truppen*das eigene Land alleine sichern. Nur:*Dafür mangelt es an*Geld. Einem Zeitungsbericht zufolge fehlen mindestens vier Milliarden Euro, der*Kampf gegen die Taliban wäre*so*fast aussichtslos.*Nun sollen die Nato-Staaten*mehr zahlen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801225,00.html
es reicht nicht, wenn wir unseren gesammelten Schrott nach Abzug da lassen? Der war für unsere Soldaten doch auch ausreichend. So Karren aus Konservenbüchsenblech und erst die ganzen verlorenen Kampfhandschuhe. Alos, mehr geht nicht. Na gut. 1,2 Krankenhäuser noch. Aber dann ist Schluß.
Rübezahl 02.12.2011
5. Na dann ...
wollen wir mal nicht so sein und das Weihnachtssäckel aufschnürren. Ne Milliarde für Afghanistan, dürfte doch nur Pinatz sein.
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