Finnland Bank veröffentlichte Namen von 350 möglichen Terroristen

Die finnische Finanzaufsicht hat im Internet offenbar versehentlich eine Liste mit Namen von mehr als 350 Personen veröffentlicht. Sie stehen nach Polizeiermittlungen möglicherweise im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA.


Helsinki - Die Tabelle enthält neben den vollständigen Namen und weiteren bekannten Decknamen auch Geburtsdaten, Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Das Dokument wurde am Donnerstag - einen Tag nach seiner Veröffentlichung - aus dem Netz gelöscht.

Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) hatte die Namen zusammengetragen. Sie stammten aus Fahndungsergebnissen von Ermittlungsbehörden mehrerer europäischer Länder und der USA, sagte EZB-Sprecher Manfred Körber der AP. Die 22 Seiten umfassende Liste solle Geldinstituten bei der Suche nach möglicherweise verdächtigen Kunden dienen.

Die weitere Verwendung der Namen stehe jedem Land frei, betonte Körber. Die Weitergabe an die Presse sei jedoch "nicht empfohlen" worden. Körber verwies darauf, dass die Liste Namen von Personen enthalten könne, die "nicht relevant sind". Die finnische Finanzaufsicht sagte nur, die Liste sei wegen der "kontroversen Diskussion" vorerst aus dem Internetangebot genommen worden.

Die tabellarische Liste im pdf-Format führt unter anderem alle 19 mutmaßlichen Luftpiraten und weitere Verdächtige auf, wie etwa die von der Bundesanwaltschaft als Logistiker der Hamburger Terrorzelle gesuchten Said Bahaji und Ramzi Binalshibh. In der Tabelle finden sich zudem ein knappes Dutzend Männer arabischer Abstammung, die zumindest zeitweilig ihren Wohnsitz in Deutschland hatten.

Als Herkunftsländer werden unter anderem Afghanistan, Jemen, Syrien, Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und Marokko angegeben. Ob sie jeweils als Verdächtige oder als Zeugen gelten, ist nicht ersichtlich. Am Ende sind knapp 15 internationale Organisationen und Gruppierungen aufgeführt, darunter die vom mutmaßlichen Terroristen Osama Bin Laden geführte Organisation al-Qaida, die philippinische Abu Sayyaf und der Ägyptische Islamische Dschihad.

Beim Namen eines der Hauptverdächtigen, des 33-jährigen Mohamed Atta aus dem Hamburger Terrornetzwerk, vermerkt die Liste rund zehn verschiedene Schreibweisen seines Namens sowie einige Decknamen. Weiter sind mehrere Adressen in Hamburg und den USA, Festnetz- und Handynummern sowie der Zusatz "possibly deceased" (möglicherweise verstorben) vermerkt.



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