Fischer in Nahost "Deutschland wäre mit Vermittlerrolle überfordert"

Die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses wächst. Palästinenserchef Arafat und Israels Außenminister Peres werden sich offenbar an den Verhandlungstisch setzen - in Berlin. Doch Außenminister Fischer sieht Deutschland nicht in der Vermittlerrolle.


Verstanden sich: Arafat (l.) und Fischer
AP

Verstanden sich: Arafat (l.) und Fischer

Jerusalem/Ramallah - Weltweit wurde der Vermittlungserfolg von Joschka Fischer gewürdigt. Uno-Generalsekretär Kofi Annansagte: "Ich unterstütze jeden Versuch, die beiden Seiten an den Verhandlungstisch zu bringen." US-Außenamtssprecher Philip Reeker wies die Auffassung zurück, dass die Vermittlung des Treffens durch Fischer die USA in ein schlechtes Licht rücke.

Die US-Regierung unterstütze alles, was den beiden Seiten nütze. "Die Deutschen sind natürlich vertrauenswürdige Freunde und enge Nato-Verbündete, und wir begrüßen ihre konstruktiven Bemühungen", sagte Reeker. US-Außenminister Colin Powell habe Fischer aus dem Urlaub angerufen.

Deutschland wäre überfordert

Unterdessen wies der Bundesaußenminister eine Vermittlerrolle Deutschlands im Nahost-Konflikt erneut zurück. In einem Interview des ZDF-"heute Journals" sagte Fischer, mit einer solchen Rolle sei Deutschland überfordert: "Da müssen Sie auch Sicherheitsgarantien übernehmen können und eine ganz erhebliche Last tragen."

Er habe seine Nahost-Reise in Telefonaten mit seinen Amtskollegen in den USA und Russland vorbereitet. Es gehe jetzt darum, für Israel und die Palästinenser "Wege zu öffnen", um aus der derzeitigen dramatischen Lage herauszukommen. Die Bitte Arafats, das geplante Treffen in Berlin stattfinden zu lassen, habe er "wohlwollend" aufgenommen. Wichtiger als der Ort sei aber eine gute Vorbereitung des Treffens, denn dieses "darf nicht scheitern".

Arafat hatte sich am Dienstag nach einem längeren Gespräch mit Fischer zu dem Treffen mit Peres bereit erklärt. Er würde sich mit dem israelischen Außenminister gern in Berlin treffen, sagte der 72-Jährige in Ramallah. Die bis dato von ihm erhobene Forderung, dass vor einem Gespräch das von Israel besetzte Orient-Hauses in Ost-Jerusalem freigegeben werden müsse, ließ er fallen.

Scharon blieb vorsichtig

Israels Premierminister Ariel Scharon, mit dem Fischer nach seinem Gespräch mit Arafat zusammentraf, reagierte zunächst vorsichtig. Scharon, der bisher jeden Kontakt mit Arafat von einer vollständigen Waffenruhe abhängig gemacht hatte, begrüßte jedoch Fischers Vermittlungsbemühungen. Er hoffe, dass der deutsche Außenminister "auch in Zukunft dazu beiträgt, die Dinge für den Friedensprozess im Nahen Osten voranzubringen".

Fischers Nahost-Reise geht heute Abend zu Ende. Im Lauf des Tages besucht er noch die Gedenkstätte Jad Waschem in Jerusalem und legt dort einen Kranz nieder. Zudem sind unter anderen Gespräche mit dem israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav und dem früheren Außenminister Schlomo Ben-Ami geplant.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.