Fischer in USA Washington besorgt über EU-Krise

Beim Besuch von Außenminister Fischer in Washington beherrscht ein Thema die Gespräche: die Krise der Europäischen Union. Laut Fischer fürchten die USA vor allem eine Gefährdung des Türkei-Beitritts und des EU-Engagements auf dem Balkan.


Außenminister Fischer: USA sehr besorgt über EU-Krise
AP

Außenminister Fischer: USA sehr besorgt über EU-Krise

Washington - Die Besorgnis sei groß, dass der stabilisierende Effekt der EU auf den Balkan nachlassen könnte und in der Frage der Annäherung der Türkei Rückschläge möglich seien, sagte Joschka Fischer nach einem Treffen mit dem Nationalen Sicherheitsberater Stephen Hadley.

Zum Thema Balkan sagte Fischer: "Europa kann sich eine Auszeit von seinen Verpflichtungen auf der Weltbühne nicht leisten, und schon gar nicht auf dem eigenen Kontinent." Die ganze Strategie auf dem Balkan sei gebunden an den "Anker der europäischen Perspektive". Das gelte auch für Bulgarien und Rumänien. In Serbien gehe es um einen "positiven Aufbruch, auf den wir Jahre gewartet haben".

Bei dem rund 45-minütigen Gespräch erörterten Fischer und Hadley auch den Stand der Verhandlungen zwischen dem EU-Trio Deutschland, Frankreich und Großbritannien und Iran über dessen umstrittenes Nuklearprogramm. Fischer unterstrich die Gemeinsamkeiten zwischen den "EU-3" und den USA: "Je mehr es hier zu einer gemeinsamen Anstrengung kommt, desto besser." Dies hätten die Erfahrungen der vergangenen Monate gezeigt, bei denen die Aktivitäten aufs Engste mit den US-Partnern koordiniert worden seien.

Der Minister, der sich seit Montag in Washington aufhält, wirbt bei seinem Besuch auch für einen deutschen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die USA haben sich bislang nicht abschließend zu dem deutschen Bestreben geäußert. Es gebe aber ein großes Interesse an einer "umfassenden UN-Reform", betonte Fischer. Dies gelte nicht nur in der Frage des Sicherheitsrats, sondern auch für Menschenrechte und Demokratisierung.

Fischer trifft sich am Mittwoch mit seiner US-Amtskollegin Condoleezza Rice, bevor er am Abend wieder zurück nach Deutschland fliegt. Bei dem einstündigen Gespräch dürfte es neben dem iranischen Nuklearprogramm auch um die Lage im Nahen Osten gehen. Es ist das erste Mal, dass Fischer seine Kollegin nach deren Amtsantritt im Februar in Washington besucht.



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