Flammeninferno in Marktstraße Viele Tote bei Doppelanschlag in Pakistan

Bei einem Doppelanschlag auf einem belebten Markt in Pakistan sind mindestens 36 Menschen getötet worden. Mehr als hundert weitere wurden bei dem Attentat in Lahore verletzt. Zwei Bomben explodierten nahezu zeitgleich, mehrere Geschäfte stehen in Flammen.

AP

Lahore - Eine Explosion von zwei ferngezündeten Bomben in Pakistan hat am Donnerstag Dutzende Menschen in den Tod gerissen. Das Attentat ereignete sich auf einem belebten Markt in Lahore, der zweitgrößten Stadt des Landes nahe der indischen Grenze.

Offiziellen Angaben zufolge wurden mindestens 36 Menschen getötet, die Behörden waren zunächst von 15 Toten ausgegangen. Mehr als hundert Menschen wurden verletzt, teilte der örtliche Polizeichef Muhammad Pervez mit. Er befürchtete, dass die Zahl der Toten noch ansteigen könnte, da viele Menschen in dem Flammeninferno eingeschlossen seien.

"Wir rannten raus, um uns zu retten", sagte ein Augenzeuge, der sich in einem Restaurant befand, als der erste Sprengsatz detonierte. "Aber da explodierte schon die zweite Bombe, und fünf oder sechs Leute fielen um", berichtete er dem TV-Sender Duniya.

Der erste Sprengsatz wurde nach Polizeiangaben vor einer Bank gezündet, der zweite 30 Sekunden später vor einer nahegelegenen Polizeistation. Unter den Opfern war laut einem Polizeibeamten auch ein zwei Jahre altes Kind. Auf Fernsehbildern waren brennende Geschäfte und zerstörte Autos zu sehen. In der Passage waren vor allem Frauen mit Kindern zum Einkauf von Kleidung, Spielsachen und Kosmetika unterwegs. Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand.

Wenige Stunden zuvor hatte ein Selbstmordattentäter im Nordwesten Pakistans mindestens zehn Menschen in den Tod gerissen. Bei dem Anschlag vor einem Gerichtsgebäude in der Stadt Peschawar wurden nach Krankenhausangaben 45 Menschen verletzt. Der Täter versuchte zunächst, in das Gerichtsgebäude zu gelangen, wie die Polizei mitteilte. Er wurde jedoch von Sicherheitskräften gestoppt und sprengte sich dann vor dem Komplex in die Luft. Unter den Todesopfern waren zwei Polizisten.

Radikale Islamisten haben in Pakistan in den vergangenen Wochen zahlreiche Anschläge verübt, bei denen mehr als 400 Menschen getötet wurden. Sie reagierten damit auf die Großoffensive der Streitkräfte gegen die Taliban in Süd-Waziristan an der afghanischen Grenze.

amz/AP/dpa



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eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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