Flucht ins Nachbarland Gaddafi-Sohn bittet in Niger um Asyl

Das Regime seines Vaters ist gestürzt, die libyschen Rebellen fordern seine Festnahme - nun versucht Saadi al-Gaddafi, dauerhaft in Niger Unterschlupf zu finden. Gemeinsam mit hochrangigen Ex-Generälen hat er um politisches Asyl gebeten.

Diktatoren-Sohn Saadi al-Gaddafi: Flucht über die Grenze nach Niger
REUTERS

Diktatoren-Sohn Saadi al-Gaddafi: Flucht über die Grenze nach Niger


Niamey - Die Fahndung nach den Mitgliedern des Gaddafi-Regimes läuft auf Hochtouren - doch offenbar entwickelt sich das Nachbarland Niger immer mehr zum Zufluchtsort für Angehörige und Ex-Militärs des gestürzten Diktators. Saadi al-Gaddafi, einer der Söhne Muammars, ist mit einer Militärmaschine in der nigrischen Hauptstadt Niamey eingetroffen, um dort um politisches Asyl zu ersuchen.

Gaddafi befinde sich "in guter Obhut" der nigrischen Sicherheitskräfte, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Regierungskreisen. Die US-Regierung hatte zuvor seine Bewachung in der Stadt Agadez mit einer Art Hausarrest verglichen. Die nigrischen Behörden stellten aber klar, dass es sich nicht um einen "Arrest" handele, sondern um eine "Bewachung".

Die Regierung Nigers hatte am Wochenende bestätigt, dass Saadi al-Gaddafi die Grenze zu Libyen überquert hat. Während er sich am Montag noch in der Stadt Agadez aufgehalten habe, sei er nun in Niamey, sagte Regierungssprecher Marou Amadou in der Nacht auf Mittwoch.

Zudem befänden sich drei Generäle von Gaddafis Streitkräften in der Hauptstadt, um ebenfalls politisches Asyl für sich und andere Mitglieder des zusammengebrochenen Regimes zu erwirken. "Wir waren über ihre Ankunft nicht informiert", sagte Sprecher Amadou.

Der 38-jährige Saadi al-Gaddafi hatte in der libyschen Armee eine Eliteeinheit angeführt. Die libyschen Rebellen fordern, dass Vertreter des Regimes wieder zurückgeschickt werden.

Niger hatte am vergangenen Freitag versichert, dass das Land seine Verpflichtungen gegenüber der internationalen Justiz in Bezug auf Gaddafi und seine Entourage einhalten wird. Nach Gaddafi wird mittlerweile mit internationalem Haftbefehl gefahndet.

Die Fahrt von mindestens zwei libyschen Konvois nach Niger hatte Spekulationen über eine Flucht Gaddafis ins Exil genährt. Gaddafi hatte diese Gerüchte in Audiobotschaften zurückgewiesen.

Übergangsrat will Libyen in der Uno vertreten

Der Nationale Übergangsrat der libyschen Rebellen arbeitet unterdessen weiter an seiner politischen Legitimierung. Der Rat will das Land künftig bei den Vereinten Nationen vertreten. Die Führung der Rebellen habe hierzu einen Brief an den Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon geschickt und um Weiterleitung an die Generalversammlung gebeten, sagte Ratspräsident Nassir Abdulasis al-Nasser.

Ein Ausschuss werde den 193 Mitgliedstaaten hierzu eine Empfehlung geben, sagte Nasser. Bislang wird Libyens Sitz bei den Vereinten Nationen noch von der Regierung des früheren Machthabers Gaddafi gehalten.

jok/APD



insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
moliebste 14.09.2011
1. Niger: Ein Bündel voller Fragen
Nachdenm die Convoys die libysch-nigerianische Grenze überquerten, hielten sich die Offiziere der libyschen Armee und Saadi Gaddafi zunächst in einem Libyen gehörenden Hotel in Agadez auf, also mitten in Niger. Die Weiterfahrt in die Hauptstadt Niamey, ganz im Westen und fast schon an der Grenze zu Burkina Faso, wirft neue Fragen auf. Ist Burkina Faso das Ziel ? Werden Verhandlungen in Niamey geführt und mit wem ? Wie kalkuliert die nigerische Regierung die Tuareg-Stämme Nigers ein, die vor wenigen Tagen erklärten, Gaddafi unter ihren persönlichen Schutz zu stellen ? Reicht der Arm der amerikanischen Regierung, die am Montag verlautbarte, Niger habe eine Verhaftung zugesagt, bis nach Niger ? Schau´n mer mal.
Rodri 14.09.2011
2. ...
Viel interessanter als der Verbleib der Gaddafis ist doch, dass jetzt selbst Al Jazeera verstärkt berichtet, dass die Islamisten die Oberhand in Libyen gewinnen und wohl auch die kommende Regierung stellen werden. ;) Man könnte vllt. auch mal mehr über die ethnischen Säuberungen durch die Rebellen in von Schwarzafrikanern bewohnten Stadtvierteln berichten !!
moliebste 14.09.2011
3. Niger: Ein Bündel voller Fragen
Nachdem die Convoys die libysch-nigerische Grenze überquerten, hielten sich die Offiziere der libyschen Armee und Saadi Gaddafi zunächst in einem Libyen gehörenden Hotel in Agadez auf, also mitten in Niger. Die Weiterfahrt in die Hauptstadt Niamey, ganz im Westen und fast schon an der Grenze zu Burkina Faso, wirft neue Fragen auf. Ist Burkina Faso das Ziel ? Werden Verhandlungen in Niamey geführt und mit wem ? Wie kalkuliert die nigerische Regierung die Tuareg-Stämme Nigers ein, die vor wenigen Tagen erklärten, Gaddafi unter ihren persönlichen Schutz zu stellen ? Reicht der Arm der amerikanischen Regierung, die am Montag verlautbarte, Niger habe eine Verhaftung zugesagt, bis nach Niger ? Schau´n mer mal.
PdBOF, 14.09.2011
4. Mmmhhh...
Zitat von sysopDas Regime seines Vaters Muammar*ist gestürzt, die libyschen*Rebellen fordern seine Festnahme:*Nun versucht Saadi al-Gaddafi im Niger Unterschlupf zu finden. Zusammen mit hochrangigen Ex-Generälen hofft er auf politisches Asyl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,786115,00.html
Wollte der nicht bis zum bitteren Ende kämpfen und notfalls den Heldentot sterben? Alles nur Maulhelden.
Cortado#13, 14.09.2011
5. Der Typ....
Zitat von sysopDas Regime seines Vaters Muammar*ist gestürzt, die libyschen*Rebellen fordern seine Festnahme:*Nun versucht Saadi al-Gaddafi im Niger Unterschlupf zu finden. Zusammen mit hochrangigen Ex-Generälen hofft er auf politisches Asyl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,786115,00.html
hat doch wohl den "Diplomaten" Status längst eingebüsst! Wo bleibt der Zugriff in Niger, denn auch dieser Sohn Gaddafis wird mit Internationalem Haftbefehl gesucht!
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