Zu Ausreise gezwungener Flüchtling Von Pakistan nach Salzburg nach Kenia nach...

Alle Appelle haben nichts genützt, der pakistanische Flüchtling Ali Wajid musste aus Österreich ausreisen. Jetzt harrt er in einem Kloster in Kenia aus - und hofft auf eine Rückkehr nach Salzburg.
Ali Wajid in Salzburg

Ali Wajid in Salzburg

Foto: Anton Prlic/ SN

Von Salzburg hat Ali Wajid im Jahr 2014 noch nie etwas gehört. Damals verlässt er sein Dorf im pakistanischen Punjab und flüchtet Richtung Westen. Inzwischen kennt er Salzburg. Er fühlt sich heimisch - und darf doch nicht bleiben.

Nach seiner Flucht aus Pakistan kommt Wajid bis in die Türkei, schlägt sich dort ein Jahr lang durch, setzt mit einem Boot von Izmir nach Griechenland über und erreicht im Herbst 2015 Österreich. Der Zufall verschlägt ihn nach Graz, dann nach Salzburg. Dort schließt er Freundschaften, lernt Deutsch, beginnt 2017 eine Ausbildung zum Kellner. Doch weil sein Asylbegehren in allen Instanzen und höchstgerichtlich abgelehnt wird, muss er Österreich verlassen.

Der 23-Jährige sucht Mitte 2018 Schutz in einem Kloster in Salzburg und lebt ein halbes Jahr im Kirchenasyl. Im Januar wird er bei einem Routinetermin bei der Polizei festgenommen und in Abschiebehaft nach Wien gebracht. Wajid fürchtet um sein Leben, sollte er nach Pakistan abgeschoben werden. Seine Helfer erwirken ein Visum für Kenia, wo er seit einer Woche lebt.

Im Telefongespräch mit dem SPIEGEL erzählt er von seiner Lage.

SPIEGEL: Wie geht es Ihnen in Kenia?

Ali Wajid: Einigermaßen. Ich bin jetzt seit einer Woche in Nairobi und lebe in einem Benediktinerkloster. Bisher habe ich mir noch nicht so viel von der Stadt angeschaut, sondern die meiste Zeit im Kloster verbracht.

SPIEGEL: Warum sind Sie ausgerechnet nach Kenia ausgereist, als Sie Österreich verlassen mussten?

Wajid: Aus Sorge um mein Leben will ich nicht zurück nach Pakistan. Weil ich in einem Kloster in Österreich Schutz gesucht habe, glauben dort viele, ich wäre zum Christentum konvertiert. Das stimmt aber nicht. Als pakistanischer Staatsbürger hat man keine große Wahl. Als ich in Wien in Abschiebehaft saß, haben meine Helfer sich bemüht, ein Visum für ein anderes Land zu bekommen. Im letzten Moment hat Kenia ein Touristenvisum angeboten. Es gilt für einen Monat und kann auf maximal drei Monate verlängert werden.

SPIEGEL: Können Sie sich eine Rückkehr nach Pakistan zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen?

Wajid: Wenn man in Pakistan einer Minderheit angehört, hat man es sehr, sehr schwer. Ich komme aus einem kleinen Dorf im Osten Pakistans, und selbst dort haben die Menschen mitbekommen, dass ich Schutz in einem Kloster gesucht habe. Man fragt sich dort, ob ich ein Christ geworden sei. Sogar in Österreich haben mich Menschen, die ich in einer dortigen Moschee getroffen habe, gefragt, ob ich konvertiert sei. In Pakistan kann das sehr gefährlich werden. Die Leute glauben, was sie glauben wollen, und wie soll ich ihnen das Gegenteil beweisen?

SPIEGEL: Ihr Wunsch nach Asyl wurde in Österreich abgelehnt, weil Sie nicht aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt wurden. Können Sie diese Entscheidung nachvollziehen?

Wajid: Ich bin aus familiären Gründen geflüchtet, das habe ich den Behörden in Österreich auch so erklärt. Zuletzt wurde es in Pakistan sehr bedrohlich für mich. Jetzt kommt noch die Kloster-Sache dazu. Mir sagen Leute, dass meine Abschiebung auch politische Gründe hat und es nicht nur um Recht geht.

SPIEGEL: Wo sehen Sie Ihre Zukunft?

Wajid: In Salzburg. Ich bin dieser Stadt sehr verbunden, das ist mein Zuhause geworden. Ich habe sogar Snowboardfahren gelernt. In Salzburg habe ich so viele Menschen kennengelernt, die mich unterstützen und mir helfen. Es gibt sogar Leute, die mich adoptieren wollen. Ich bin fest entschlossen, dorthin zurückzukehren. Ich möchte gern meine Lehre beenden. In Österreich gibt es die sogenannte Rot-weiß-rot-Karte für qualifizierte Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten. Aber für einen Auszubildenden ist es schwierig, die zu bekommen. Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß, und es werden alle rechtlichen Möglichkeiten geprüft. Ich hoffe, dass es klappt.