Asylbewerber Behörden erwarten mehr Flüchtlinge aus Afghanistan

Bis zu 100.000 Afghanen im Monat verlassen derzeit ihre Heimat, die Reisepässe werden bereits knapp. Einem Bericht zufolge rechnen deutsche Sicherheitsbehörden mit einem raschen Anstieg der Asylbewerberzahlen.
Afghanischer Flüchtling in Serbien: 70.000 Afghanen sind 2015 in Europa angekommen

Afghanischer Flüchtling in Serbien: 70.000 Afghanen sind 2015 in Europa angekommen

Foto: David Ramos/ Getty Images

Die deutschen Behörden rechnen einem Zeitungsbericht zufolge mit einer steigenden Zahl von Asylbewerbern aus Afghanistan. Derzeit verließen monatlich bis zu 100.000 Afghanen ihr Heimatland, berichtet  die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Sicherheitskreise.

In diesem Jahr seien bisher etwa 70.000 Afghanen in Europa angekommen, zitiert die Zeitung den Chef der Afghanistan-Mission der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Richard Danziger. Während es Arbeitsmigranten vor allem nach Iran, Pakistan oder in die Vereinigten Arabischen Emirate ziehe, fliehen demnach Zehntausende weiter nach Europa und dort oftmals nach Deutschland.

Deutsche Sicherheitsbeamte führten die steigende Flüchtlingszahl aus Afghanistan insbesondere auf eine Entscheidung der Regierung in Kabul zurück, berichtet die Zeitung. Diese habe Anfang des Jahres begonnen, elektronisch lesbare Pässe auszugeben, mit denen eine Ausreise nach Iran möglich sei. Die Nachfrage sei enorm. "Wir haben nicht genug Beamte und technische Möglichkeiten, um rechtzeitig zu liefern", sagte der Leiter der afghanischen Passbehörde, Sayed Omar Saboor.

Nach Angaben aus deutschen Sicherheitskreisen habe sich die Zahl der Flüchtlinge aus Afghanistan zudem erhöht, nachdem die Bundesregierung im August ihre Asylbewerberprognose für 2015 auf insgesamt 800.000 erhöht hatte. In Afghanistan sollen Schleuser daraufhin das Gerücht gestreut haben, dass die Bundesrepublik über diese Zahl hinaus keine Flüchtlinge mehr aufnehmen werde. Die Folge sei eine massenhafte plötzliche Ausreise gewesen. In Deutschland kamen zuletzt etwa elf Prozent der neu eingetroffenen Flüchtlinge aus Afghanistan.

EU-Kommissar rechnet mit mehr Flüchtlingen aus dem Libanon

EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn hält zudem eine starke Zunahme der Fluchtbewegung aus dem Libanon Richtung Europa für möglich. Der Libanon sei "der fragilste Staat" in der Region, sagte Hahn der Tageszeitung "Die Welt". "Von dort könnte die nächste große Flüchtlingswelle kommen." Hahn wies darauf hin, dass derzeit rund eine Million syrischer Flüchtlinge im Libanon lebten. Es gebe dort eine hohe Arbeitslosigkeit und eine ausufernde Staatsverschuldung, dies sei "eine gefährliche Mischung".

Seit er im vergangenen Jahr ins Amt gekommen sei, habe er "immer wieder darauf hingewiesen", dass es rund um Europa 20 Millionen Flüchtlinge gebe und "das enorme Risiko besteht, dass sie sich in Bewegung setzen", sagte Hahn. Nunmehr sei "genau diese Krise eingetreten". Es sei "leider so", dass die Verantwortlichen erst dann reagierten, "wenn die Dinge vor Ort stattfinden". Hahn begrüßte die Ergebnisse des Europäischen Rats aus dieser Woche, sagte aber, dies könne "nur ein Anfang sein".

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten in der Nacht zum Donnerstag beschlossen, eine Milliarde Euro für die Versorgung von Flüchtlingen rund um Syrien bereitzustellen, stärker mit der Türkei zusammenzuarbeiten und die eigenen Grenzen stärker zu sichern.

nck/Reuters/dpa
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