Flucht nach Europa 250 Menschen im Mittelmeer vermisst

Im Mittelmeer sind zwei Boote mit Flüchtlingen gesunken. 300 Menschen waren an Bord. Rund 250 von ihnen werden vermisst und sind wahrscheinlich tot.

Leeres Boot im Mittelmeer (Symbolbild)
Getty Images

Leeres Boot im Mittelmeer (Symbolbild)


Vier von fünf Menschen an Bord haben die Reise von Nordafrika nach Italien wohl nicht überlebt: Im Mittelmeer sind in den vergangenen Tagen zwei Boote mit Migranten gesunken. 245 Menschen gelten als vermisst und sind wahrscheinlich gestorben, wie das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mitteilt.

Zunächst sank Freitagnacht ein Schlauchboot mit 132 Menschen an Bord. Etwa 50 von ihnen wurden gerettet und nach Sizilien gebracht, 82 Menschen sind verschwunden. Am Sonntag sank das zweite Schiff vor der Küste Libyens. Von 169 Menschen konnte die libysche Küstenwache nur sieben in Sicherheit bringen.

Nach der Schließung der Balkanroute im Jahr 2016 ist die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die von Nordafrika nach Italien übersetzen wollen, angestiegen. Nach Uno-Angaben landeten von Januar bis Anfang Mai 2017 insgesamt rund 43.000 Menschen in Sizilien und Kalabrien. Das sind rund 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Seit Jahresbeginn haben mehr als 1300 Migranten die Überfahrt nicht überlebt.

Uno: Legale Fluchtwege schaffen

Der Flüchtlingshochkommissar der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, betonte, Rettungsmissionen im Mittelmeer seien von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig müssten die Fluchtursachen bekämpft und sichere Fluchtwege nach Europa geschaffen werden. Grandi nannte Familienzusammenführungen und Umsiedlungsprogramme als Beispiele für solche legalen Möglichkeiten.

Andere Migranten versuchten, über die spanischen Enklaven in Marokko in die EU zu kommen. Am Dienstag hätten etwa 100 von ihnen in Melilla den rund sechs Meter hohen Absperrzaun überwunden und damit die Grenze überschritten, teilte die spanische Polizei mit. Der Grenzzaun ist unter anderem mit rasiermesserscharfem Natodraht gesichert. Drei Beamte seien verletzt worden, als sie von Migranten mit Steinen beworfen wurden. Ähnliche Szenen spielten sich zuletzt auch in der zweiten Enklave, Ceuta, ab. Dort stürmten im Januar mehr als 1000 Afrikaner die Anlage, doch laut Polizei erreichten nur zwei spanischen Boden.

sep/Reuters

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