Mittelmeer Italiens Marine greift erneut 900 Flüchtlinge auf

Wieder haben italienische Kriegsschiffe und Patrouillenboote Hunderte Migranten aus Afrika aufgegriffen. Innenminister Alfano und das Flüchtlingswerk UNHCR fordern nun mehr Unterstützung von der EU.

Flüchtlinge aus Nordafrika: In Sizilien sollen ihre Identitäten festgestellt werden
DPA

Flüchtlinge aus Nordafrika: In Sizilien sollen ihre Identitäten festgestellt werden


Rom - Die Zahl der Flüchtlinge, die die riskante Bootsüberfahrt von Nordafrika nach Italien wagen, steigt weiter: Die italienische Marine hat erneut knapp 900 Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Binnen 24 Stunden hätten drei Kriegsschiffe und zwei Patrouillenboote der Küstenwache insgesamt 896 Flüchtlinge aufgegriffen. Das teilte die Marine am Freitag mit.

Italiens Innenminister Angelino Alfano hatte bereits um mehr Unterstützung von der Europäischen Union gebeten. Diese Forderung wird nun vom Uno-Flüchtlingswerk UNHCR unterstützt. Gemeinsam müssten "dauerhafte Lösungen" für Asylsuchende etwa aus Syrien und Eritrea gefunden werden, die auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung sind.

"Italien braucht die Hilfe der EU"

Im Vergleich zum Jahresanfang 2013 habe sich der Ansturm verzehnfacht, sagte eine UNHCR-Sprecherin: "Unter ihnen sind viele Frauen und Kinder, darunter Neugeborene und Kinder ohne Begleitung Erwachsener." Das UNHCR erwartet einen weiteren Anstieg der Zahlen: "Es warten noch Tausende in Libyen, weitere Boote wurden bereits auf See ausgemacht", sagte die Sprecherin. "Italien braucht die Hilfe der EU, um die Aufnahmefähigkeiten zu vergrößern."

Erst Anfang der Woche hatte die Marine binnen 48 Stunden rund 4000 Bootsflüchtlinge aus dem Meer gefischt. Immer wieder versuchen Tausende, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Im Herbst 2013 kamen dabei bei mehreren schweren Unglücken vor der italienischen Küste mehr als 400 Flüchtlinge ums Leben.

Rom leitete daraufhin den Einsatz "Mare Nostrum" ein, bei dem Kriegsschiffe, Drohnen und Hubschrauber mit Infrarot- und optischer Ausrüstung eingesetzt werden. Allein seit Beginn des Jahres wurden nach Angaben des italienischen Innenministers 15.000 Menschen auf diese Weise aufgegriffen.

vek/AFP/Reuters

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