Flüchtlinge aus Syrien "Eine von Menschen gemachte Katastrophe"

Die türkische Regierung stellt sich auf noch mehr Flüchtlinge aus Syrien ein - womöglich kommen Hunderttausende. Vor allem Frauen und Kinder fliehen vor der Terrormiliz IS. Der Exodus in Bildern.

DPA

Ankara - Es sind schon jetzt mehr als 130.000 Menschen - seit vier Tagen ergießt sich ein immenser Strom aus dem Norden Syriens über die türkische Grenze. Ganze Familien machen sich auf und flüchten vor dem Vormarsch des "Islamischen Staats" (IS). Sollte die Offensive der Extremistengruppe andauern, könnten es noch mehr werden, sagt der türkische Vizeregierungschef Numan Kurtulmus - Hunderttausende womöglich. Es seien alle notwendigen Maßnahmen getroffen worden, um bei einem weiteren Zustrom die zusätzlichen Flüchtlinge aufzunehmen.

Kurz zuvor hatte das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR die Zahl der bereits Geflohenen mit 100.000 angegeben.

AFP
Die Fluchtwelle ist Folge einer IS-Offensive gegen die Stadt Ain al-Arab, die auf kurdisch Kobani heißt, an der Grenze zur Türkei. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eroberten IS-Kämpfer seit Donnerstag etwa 60 Dörfer rund um Ain al-Arab und drängten die kurdischen Kämpfer zurück. Nach tagelangem Zögern öffnete die Türkei am Freitag ihre Grenze am Übergang von Mursitpinar. Ankara sieht sich nach der Aufnahme von insgesamt fast 1,5 Millionen syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen überfordert.

Die Stadt Ain al-Arab war bisher vom Bürgerkrieg weitgehend verschont geblieben, weshalb rund 200.000 Vertriebene dort Zuflucht gesucht hatten. Der Vorstoß der IS-Dschihadisten zwang dann jedoch Zehntausende zur Flucht.

REUTERS
Wegen der IS-Offensive rief die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) die Kurden in der Türkei auf, gegen die Dschihadisten in Syrien in den Kampf zu ziehen. Die verbotene Guerillagruppe ist bereits im Norden des Irak an der Seite der kurdischen Peschmerga an den Kämpfen gegen die IS-Miliz beteiligt.

Am Montag meldeten die Kurden Erfolge in ihrem Kampf: Der IS-Vormarsch auf die Stadt Kobani sei gestoppt. Der Vorstoß sei in der Nacht zum Erliegen gekommen, sagte ein Sprecher der Kurdenmiliz YPG. Allerdings gebe es immer noch Kämpfe. Kobani liegt an der Grenze zur Türkei. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Islamisten hätten in den vergangenen 24 Stunden keine größeren Erfolge erzielt.

DPA
Der IS kämpft in Syrien gegen Kurden, Regierungstruppen und rivalisierende Rebellen und hat im Norden und Osten weite Landesteile unter seine Kontrolle gebracht.

ler/AFP/Reuters

insgesamt 62 Beiträge
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Faceoff 22.09.2014
1. Große Zahl
In die Türkei kommen innerhalb weniger Tage soviel Flüchtlinge, wie nach Deutschland bisher im ganzen Jahr. Und diese Flüchtlinge kommen zusätzlich zu den bereits in der Türkei befindlichen Flüchtlingen in siebenstelliger Zahl. Vielleicht sollten wir das in Deutschland bei der Asyldebatte einmal bedenken.
Stefan_C 22.09.2014
2. problem is coming home
Hätte die Türkei den Transit der IS-Kämpfer aus aller Welt über die Türkei nach Syrien nicht stillschweigend akzeptiert, wäre es ggfs. nicht zu einer solchen Kriegs- und Flüchtlinigskatastrophe gekommen. Wieder mal hat sich Herr Erdogan verrechnet.
walter_de_chepe 22.09.2014
3. Was stimmt da nicht?
Angeblich verfügt der Islamische Staat über nur 30 Tausend Kämpfer (oder Terroristen). Aber er kann an mehreren Fronten Offensiven starten, ein riesiges Gebiet kontrollieren, von der USA ausgebildete Armeen besiegen, hunderttausende Kurden vertreiben.
bjuv 22.09.2014
4. @ 1 Faceoff: Wenn sie hier unter gleichen Bedingungen wie in der TR
und finanziert von UNICEF bleiben wollen, bis der Konfklikt im Heimatland beendet ist, dann ist das sicher kein Problem. Aber hier werden Zeltstädte nicht als Standard angesehen und bezahlen müssen wir als Steuerbürger für Unterkunft auf dem freien (sehr engen) Wohnungsmarkt selbst. Als nicht ungleiche Dinge vergleichen, bitte.
1789inParis 22.09.2014
5. Das wird jetzt alles ganz spannend.
Wenn die Welt glaubt ein paar Flugzeuge können diese irren Muslimterroristen stoppen, sehen wir gerade, dass das wohl nicht so ist. Die arbeiten sogar mit den Flüchtlingen als Waffe, denn die Türkei wird ja selber bald nicht mehr wissen, wo vorne und hinten ist. Und Deutschland in dem Zusammenhang? Die Bundeswehr nicht einsatzfähig. Dazu überwiegend unfähige Politiker. Das wird jetzt alles ganz spannend.
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