Flüchtlinge Australien nimmt 12.000 Syrer zusätzlich auf

12.000 Syrer bekommen die Chance auf ein neues Leben in Australien. Premierminister Tony Abbott will vor allem Angehörige verfolgter Minderheiten aufnehmen. Zugleich beteiligt sich die Armee künftig am Luftkrieg gegen den IS in Syrien

Australiens Regierungschef Abbott: Minderheiten sollen Schutz finden
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Australiens Regierungschef Abbott: Minderheiten sollen Schutz finden


Australiens Regierung reagiert auf öffentlichen Druck und nimmt deutlich mehr Flüchtlinge aus Syrien auf als bislang geplant. Das Land werde 12.000 Asylsuchende zusätzlich aufnehmen, verkündete Premierminister Tony Abbott in Canberra. Sie sollen ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht bekommen und sich ein neues Leben in Australien aufbauen können. Zuvor hatte Abbott lediglich in Aussicht gestellt, den Anteil der Syrer an den 13.750 Flüchtlingen zu erhöhen, die Australien ohnehin bis Juni 2016 aufnimmt.

Vorrangig sollen Kinder und Familien von verfolgten Minderheiten in Australien Schutz finden, die derzeit in Flüchtlingslagern in Jordanien, der Türkei und dem Libanon leben. "Frauen, Kinder und Familien sind diejenigen, die am meisten unter dem Krieg leiden", sagte Abbott.

Der Regierungschef trägt damit Forderungen aus seiner konservativen Partei Rechnung. Zahlreiche Abgeordnete hatten in den vergangenen Tagen gefordert, Australien solle nur Christen und Jesiden aufnehmen. "Wir wollen nicht noch mehr muslimische Männer", sagte ein namentlich nicht genannter Regierungsabgeordneter.

Abbott kündigte zudem an, dass die australische Armee im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) ihre Luftangriffe auf Syrien ausdehne. Australien beteiligt sich bereits im Irak mit sechs Kampfjets und zwei zusätzlichen Flugzeugen an den Luftangriffen der US-geführten Koalition gegen den IS, der vor gut einem Jahr weite Teile des Irak und Syriens überrannt hatte.

Zudem gibt Australien umgerechnet knapp 30 Millionen Euro an das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Damit soll die humanitäre Situation von Kriegsvertriebenen in den syrischen Nachbarländern verbessert werden.

In den vergangenen Tagen hatten in mehreren australischen Städten Tausende Menschen dafür demonstriert, dass das Land mehr Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen soll. Auch die harte Haltung der Regierung gegenüber Bootsflüchtlingen, die von Indonesien und Malaysia aus Australien erreichen wollen, geriet zuletzt wieder schärfer in die Kritik.

syd/AFP/Reuters



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