Chaotische Zustände Chef von Flüchtlingslager auf Lesbos ist "müde" - und wirft hin

Das Moria-Lager auf der griechischen Insel Lesbos ist heillos überfüllt, statt 3000 leben dort derzeit etwa 10.000 Flüchtlinge. Nun gibt der Leiter seinen Posten auf. Er gehe "erhobenen Hauptes".

Zelte im Lager Moria auf Lesbos: immer wieder scharfe Kritik an den Zuständen
ANGELOS TZORTZINIS/ AFP

Zelte im Lager Moria auf Lesbos: immer wieder scharfe Kritik an den Zuständen


Das Lager auf der griechischen Insel Lesbos steht mit seinen teils unzumutbaren Zuständen symbolisch für das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik. Nun hat der Leiter des wegen chronischer Überfüllung und unhygienischen Bedingungen umstrittenen Camps seinen Posten zur Verfügung gestellt.

Er gehe "erhobenen Hauptes", sagte Yannis Balpakakis der griechischen Nachrichtenagentur ANA am Mittwoch. Er habe "unter schwierigen Umständen getan, was getan werden musste" und sei nun "müde".

Das Lager Moria auf Lesbos steht seit Jahren in der Kritik. Nach der Ankunft von 3000 neuen Flüchtlingen im August hatte sich die ohnehin schwierige hygienische Situation in dem inmitten von Olivenhainen gelegenen Zeltlager weiter verschlechtert.

Täglich erreichen weitere Menschen die Insel - und der Platz reicht nicht

Ende August lebten nach Uno-Angaben fast 11.000 Menschen in dem Lager, das eigentlich nur für 3000 ausgelegt ist. Das sorgt unter den Bewohnern für Spannungen, immer wieder kommt es zu Übergriffen. In der vergangenen Woche war ein 15-jähriger afghanischer Junge nach einem Streit getötet worden, zwei weitere Teenager wurden verletzt.

Anfang des Monats wurden mehr als 600 Afghanen in Flüchtlingslager auf dem Festland umgesiedelt, doch seither kamen täglich Dutzende neue Migranten auf Lesbos an.

Ankara und Brüssel hatten sich im März 2016 auf ein Abkommen geeinigt, das die illegale Einwanderung von zumeist syrischen Flüchtlingen über die Türkei nach Europa einschränken sollte. Dafür sagte die EU der Türkei Milliardenhilfen für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Millionen Syrien-Flüchtlingen zu. Seit dem Deal kamen weitaus weniger Migranten auf den griechischen Inseln an, die Türkei hinderte sie an der Überfahrt.

Wie geht es weiter mit dem Abkommen?

Nun scheint die Zukunft des Pakts ungewisser denn je. Die griechischen Behörden haben bereits die EU alarmiert, der neue Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sprach das Thema bei seinem Treffen mit Angela Merkel ebenfalls an.

Nach SPIEGEL-Informationen gehen die griechischen Behörden davon aus, dass die steigende Zahl der Ankünfte mit der Flüchtlingspolitik der Türkei zu tun hat. Seit einigen Wochen steigt der Druck in der Türkei insbesondere auf Syrer, viele wurden offenbar verhaftet oder nach Syrien abgeschoben. Außerdem streitet sich die Türkei mit Griechenland und Zypern um Gasvorkommen im Mittelmeer.

Griechische Beamte vermuten, dass Ankara die Grenzkontrollen möglicherweise nicht mehr so streng durchführt wie noch in der Vergangenheit. Ihre Befürchtung: Setzt sich der Trend fort, könnten im September und Oktober noch mehr Migranten auf den Inseln ankommen.

Lesen Sie hier: Warum der Deal zwischen Türkei und EU zu scheitern droht.

jok/AFP



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