Krisen-Karte Die Brennpunkte der Flüchtlingskatastrophe

Calais, Melilla, Traiskirchen: Orte, die Synonyme für die europäische Flüchtlingskrise geworden sind. Hunderttausende Menschen kamen bisher allein in diesem Jahr. Der Überblick über die Brennpunkte.

Flüchtlinge in Melilla: Meterhohe Zäune
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Flüchtlinge in Melilla: Meterhohe Zäune

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Menschen schlafen unter freiem Himmel, weil Zeltlager überfüllt sind. Menschen klammern sich an meterhohe Zäune, um kurz darauf von Polizisten verprügelt zu werden. Menschen sterben, weil sie - von der Not getrieben - auf fahrende Züge springen. Szenen wie diese spielen sich derzeit täglich in Österreich, Spanien, Frankreich ab. Sie zeigen: Europa steckt tief in einer Flüchtlingskrise.

Fast 340.000 Asylanträge wurden in der ersten Jahreshälfte in den 28 EU-Staaten gestellt. Das sind 58 Prozent mehr als im vergleichbaren Zeitraum 2014. Die EU-Innenminister konnten sich auf dem jüngsten Flüchtlingsgipfel lediglich darauf einigen, wie knapp 55.000 Einwanderer verteilt werden. Die Staaten scheinen überfordert.

Vielerorts gibt es nur eine Reaktion: Die Länder machen dicht. Ungarn baut einen Zaun an der Grenze zu Serbien. Spanien hat längst ein solches Bollwerk - die Enklaven Melilla und Ceuta an der nordafrikanischen Grenze sollen so den Flüchtlingsstrom abwehren. Und Großbritannien will den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal besser sichern.

Unsere Karte zeigt die Brennpunkte der Flüchtlingskrise

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AFP

Szeged, Ungarn

Bis 2012 kamen pro Jahr etwa 2000 Menschen illegal nach Ungarn. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es etwa 80.000. Ein Großteil sucht den Weg über Serbien und landet in Szeged. Die Stadt an der Grenze ist wegen der guten Anbindung nach Budapest zu einem Drehkreuz für Flüchtlinge geworden. Doch die rechtsnationale Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban will den Einwanderungsstrom stoppen. Derzeit baut Ungarn einen vier Meter hohen Zaun an der Grenze zu Serbien.

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Calais, Frankreich

Immer mehr Flüchtlinge haben in den vergangenen Wochen versucht, durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Zuletzt zählte die Polizei im nordfranzösischen Calais mehr als 1500 solcher Versuche pro Nacht. Viele Flüchtlinge sprechen Englisch. Großbritannien bietet zudem bessere Aussichten auf einen Job als das wirtschaftlich schwächelnde Frankreich, auch die Anerkennungsquote für Asylbewerber ist in Großbritannien besser. Aber der Fluchtversuch durch den Eurotunnel ist gefährlich: Seit Juni starben am Ärmelkanal zehn Menschen.

REUTERS

Brenner, Italien

Eine der Hauptrouten für Flüchtlinge auf dem Weg nach Mittel- und Nordeuropa führt über den Brenner. Die meisten versuchen ihr Glück mit dem Zug. Den norditalienischen Brenner-Bahnhof passieren derzeit Tag für Tag Hunderte illegale Einwanderer. Freiwillige Helfer versorgen die Flüchtlinge mit Essen, Getränken und Medikamenten.

DPA

Ventimiglia, Italien

Die Bilder gingen um die Welt: Hunderte Flüchtlinge harrten tagelang an der italienisch-französischen Grenze aus, schließlich rückte die Polizei an. Die französischen Behörden hatten den meist aus Afrika stammenden Migranten die Einreise verweigert. Die italienischen Ordnungskräfte räumten das Flüchtlingslager in Ventimiglia an der Riviera und brachten die Einwanderer in eine andere Auffangeinrichtung.

picture alliance / APA/ EINSATZDOKU.AT

Traiskirchen, Österreich

Österreich ist mit dem Flüchtlingsstrom völlig überfordert. Das größte Aufnahmelager befindet sich in Traiskirchen südlich von Wien. Etwa 2200 von 4500 Einwanderern steht dort derzeit nicht einmal ein Bett zur Verfügung. Sie schlafen in Garagen oder unter Bäumen. Amnesty International hat sich eingeschaltet.

AP

Lesbos, Griechenland

Für viele Flüchtlinge sind die Inseln in der Ägäis das Tor nach Europa. 50.000 Menschen reisten auf diesem Weg seit Anfang des Jahres nach Griechenland ein. Allein auf der Insel Lesbos, die nur wenige Kilometer vom türkischen Festland entfernt liegt, waren es 25.000. Die Auffanglager auf Lesbos und anderen Inseln wie Kos sind längst überfüllt, teilweise müssen die Flüchtlinge tagelang auf der Straße übernachten. Die hygienischen Zustände sind katastrophal.

AFP

Lampedusa, Italien

Die italienische Insel Lampedusa im Mittelmeer ist wie kein anderer Ort zum Symbol der Flüchtlingskrise geworden. Eine der wichtigsten Routen von Afrika nach Europa führt hier vorbei. Die Insel liegt nur etwa 295 Kilometer von der libyschen Hauptstadt Tripolis entfernt. Die Einwanderer kommen meist in völlig überfüllten Schlepper-Booten. Dabei sterben jedes Jahr Tausende Menschen.

Getty Images

Melilla, Spanien

Bis zu sechs Meter hohe Zäune trennen die beiden spanischen Exklaven Melilla und Ceuta an der nordafrikanischen Küste von Marokko. Spanien macht die Grenzen dicht und setzt auf eine strenge Flüchtlingspolitik. Trotzdem gelingt es Einwanderern immer wieder, die Grenze zu passieren. Mehrfach versuchten in den vergangenen Monaten große Flüchtlingsgruppen die Zäune zu stürmen.

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