Flucht nach Europa Tödliche Routen über die See

In den Küstenorten Libyens warten Tausende Flüchtlinge auf Boote, die sie nach Europa bringen sollen. Die Routen durchs Mittelmeer sind oft nur wenige hundert Kilometer lang - aber oft tödlich.

SPIEGEL ONLINE

Von und (Grafik)


Nur rund 295 Kilometer trennen die libysche Hauptstadt Tripolis von der italienischen Insel Lampedusa - fast die gleiche Strecke wie von Hamburg nach Berlin. Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks UNHCR zufolge haben allein in diesem Jahr rund 35.000 Flüchtlinge diese Route genommen, um nach Europa zu gelangen.

2015 kamen schon mehr als 900 Menschen bei dem Versuch ums Leben, so die Uno-Organisation UNHCR. Denn der Seeweg über das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Flüchtlingsrouten in der ganzen Welt.

Im vergangenen Jahr flohen laut Grenzschutzbehörde Frontex rund 170.760 Menschen auf diese Weise nach Europa. Die Flüchtlinge durchqueren zuvor oft mehrere Staaten, bevor sie sich in den Küstenstädten Libyens sammeln. Dort warten sie dann Tage oder Wochen auf eines der Flüchtlingsboote, die sie nach Lampedusa oder Malta bringen sollen - also auf europäischen Boden.

Gelangen sie an Bord, geht der gefährlichste Teil der Reise erst los: Die Überfahrt auf den überfüllten Schiffen, die meist alt und nicht mehr seetauglich sind, endet oft tödlich. In der vergangenen Woche kenterten zwei Flüchtlingsboote vor der Küste Libyens.

Die italienische Küstenwache sucht immer noch nach Überlebenden des Unglücks von Sonntag, bei dem ein Boot mit rund 950 Menschen an Bord gesunken ist. Die Hoffnungen sind gering - offenbar waren viele der Flüchtlinge unter Deck eingesperrt. Bewahrheiten sich die Zahlen, könnte es sich um die bisher größte Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer handeln.

Video: Erneut Tote bei Flüchtlingsunglück im Mittelmeer

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