Der Tag im Überblick Die Flüchtlingskrise - was heute geschah

In Ungarn fliehen verzweifelte Flüchtlinge aus den Aufnahmelagern. Auf der griechischen Insel Lesbos setzt die Polizei Blendgranaten ein. Und in Großbritannien macht Premier Cameron ein Zugeständnis. Die wichtigsten Nachrichten zur Krise im Überblick.

Flüchtlinge am Bahnhof in Budapest: Um jeden Preis weiter
DPA

Flüchtlinge am Bahnhof in Budapest: Um jeden Preis weiter


Budapest, Bicske, Röszke in Ungarn, die griechischen Inseln Lesbos und Kos - das sind die Brennpunkte der europäischen Flüchtlingskrise an diesem Freitag. Dort sitzen Tausende Menschen fest, sie wollen weiter, nach Nord- und Westeuropa.

Aber Europa ist zerstritten. Brüssel arbeitet an neuen Konzepten wie einer Quotenregelung zur Verteilung der Flüchtlinge, aber die osteuropäischen Länder stellen sich bislang quer. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Erst recht nicht eine Lösung, die es Kriegsflüchtlingen ermöglicht, legal nach Europa zu kommen.

Der kleine Alan Kurdi, der auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken ist, wurde mittlerweile im syrischen Kobane neben seinem Bruder und seiner Mutter bestattet. Schon gibt es neue Meldungen über Dutzende tote Flüchtlinge vor der libyschen Küste.

Die Nachrichten in der Flüchtlingskrise haben sich an diesem Tag überschlagen - hier der Überblick der wichtigsten Ereignisse:

  • Ungarn

In Ungarn ist die Lage der Flüchtlinge extrem angespannt. Allein in den vergangenen 24 Stunden kamen hier mehr als 3000 neue Flüchtlinge an.

REUTERS
An vielen Orten des Landes spielen sich dramatische Szenen ab. Tausende Menschen sitzen fest, Züge fahren nicht mehr.

  • Auf dem Bahnhof in dem Ort Bicske eskalierte die Situation. Dort harrten 500 Flüchtlinge in einem Zug aus, die sich dagegen wehren, in ein Flüchtlingslager gebracht zu werden. Sie wollen gen Westen weiterreisen. Die Polizei dort setzte Tränengas ein - nicht zum ersten Mal in der Flüchtlingskrise.

    Am Nachmittag kamen Meldungen über Hunderte, die die Absperrungen an dem Bahnhof durchbrachen. Dabei ist nach Informationen der ungarischen Polizei ein Pakistaner gestorben. Er sei zusammengebrochen auf den Schienen gefunden worden. Die genauen Todesumstände waren zunächst unklar.

    Am Abend sollen Flüchtlinge aus dem Zug ihren Widerstand aufgegeben haben und freiwillig ausgestiegen sein. Laut Polizei sollen sie in ein Flüchtlingslager gebracht werden. Ebenfalls in Bicske brachen aus einem Aufnahmelager Dutzende Flüchtlinge aus.

  • Auf einer Autobahn durchbrachen Flüchtlinge einem Augenzeugen zufolge eine Absperrung der Polizei. Sie laufen weiter in Richtung Österreich.

  • Immer noch sitzen Tausende Menschen in Budapest vor dem Bahnhof fest. Mehr als tausend von ihnen brachen am Freitag zu Fuß vom Bahnhof in Richtung österreichischer Grenze auf.

Die Politik in Ungarn arbeitet weiterhin daran, Flüchtlinge abzuwehren. Der illegale Grenzübertritt wird künftig nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat behandelt. Das beschloss das Parlament in Budapest auf Initiative des Innenministers Sandor Pinter.

  • Griechische Inseln

Auf den griechischen Inseln Lesbos und Kos warten Tausende Menschen, die über das Mittelmeer geflohen sind, auf ihre Abreise Richtung Festland. Am Freitag kam es zu Rangeleien und Schlägereien.

AFP
Auf Lesbos setzte die Polizei Blendgranaten ein, um rund tausend aus Afghanistan stammende Flüchtlinge daran zu hindern, mit Gewalt auf die Fähre "Blue Star 1" zu kommen, die nach Piräus auslaufen sollte. Die Lage auf den griechischen Inseln ist seit Wochen katastrophal, viele Flüchtlinge sind nicht ausreichend versorgt. Es fehlt an Unterkünften und Lebensmitteln für die Gestrandeten, von denen viele im Freien schlafen.

  • Toter Flüchtlingsjunge

Der dreijährige syrische Flüchtlingsjunge Alan Kurdi ertrank im Mittelmeer. Das Bild seines toten Körpers, angespült am Strand bei der türkischen Stadt Bodrum, sorgte weltweit für Entsetzen.

AP
Mit ihm auf der Flucht starben auch seine Mutter und sein fünfjähriger Bruder, nur sein Vater überlebte. Am Freitag wurden Alan, sein Bruder und seine Mutter in ihrer nordsyrischen Heimatstadt Kobane beigesetzt. Vater Abdullah sagte dem kurdischen Sender Rudaw: "Ich hoffe, dass meine Geschichte die Menschen dazu bringt, den Flüchtlingen mehr zu helfen."

  • Dutzende ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer

Vor der libyschen Küste sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 30 bis 40 Bootsflüchtlinge ertrunken. 91 Überlebende habe die italienische Küstenwache am Donnerstag aus einem sinkenden Boot gerettet, teilte die IOM mit. Insgesamt seien 120 bis 140 Menschen an Bord gewesen. Die meisten der Flüchtlinge kamen demnach aus Somalia, Nigeria und dem Sudan.

  • Europäische Flüchtlingspolitik

Großbritannien bewegt sich und will nun doch mehr Flüchtlinge aufnehmen - Premier David Cameron verkündete, es würden Tausende Syrer geholt, die in Flüchtlingslagern in den Nachbarländern Syriens lebten. Nach Angaben des UNHCR, des Flüchtlingshilfswerks der Uno, mit dem das Verfahren laufen soll, habe die Regierung in London 4000 "Umsiedlungsplätze" angeboten.

AP/dpa
Brüssel erhöht den Druck auf die EU-Mitgliedsländer. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will 120.000 Flüchtlinge, die in Italien, Griechenland und Ungarn angekommen sind, auf andere EU-Länder verteilen. Zusätzlich will die EU-Kommission nach Informationen des SPIEGEL bereits am Dienstag einen permanenten Notfallmechanismus für die künftige Verteilung von Flüchtlingen beschließen.

  • Brand in Flüchtlingsheim

In einer Flüchtlingsunterkunft im hessischen Heppenheim hat es in der Nacht zum Freitag gebrannt.

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Ein Mann wurde schwer verletzt, als er sich mit einem Sprung aus der zweiten Etage ins Freie rettete. Weitere Bewohner erlitten leichte Rauchgasverletzungen. Die Ermittler haben einen technischen Defekt als Brandursache ausgeschlossen.

SPIEGEL ONLINE

anr/AFP/dpa

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