Mittelmeer Flüchtlingsboot vor Libyen gekentert - offenbar Dutzende Tote

Im Mittelmeer ist am Donnerstag wieder ein Flüchtlingsboot verunglückt. Etwa hundert Menschen sollen an Bord gewesen sein, unbestätigten Meldungen zufolge ertranken Dutzende.


Nur einem Tag nach dem jüngsten Unglück vor der libyschen Küste ist erneut ein Flüchtlingsboot dort in Seenot geraten. Die italienische Marine konnte nach eigenen Angaben fast 90 Menschen retten, etwa hundert sollen an Bord gewesen sein. Ob und wie viele Menschen ums Leben kamen, stand zunächst nicht fest. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet von etwa 20 bis 30 Todesopfern.

Ein Marinekommandeur sagte der Nachrichtenagentur AP, das havarierte Holzboot sei am Donnerstag von einem Flugzeug aus entdeckt worden. Die italienische Küstenwache habe daraufhin zwei Rettungsboote an die Unglücksstelle etwa 50 Kilometer vor der libyschen Küste geschickt.

Die Zahl der Todesopfer könnte noch weiter steigen: Nach Angaben des Sea-Watch-Sprechers Ruben Neugebauer sind mindestens drei große Holzboote mit Flüchtlingen an Bord am Donnerstag gekentert. Die Sea-Watch ist ein privat betriebenes Seenotrettungsschiff unter deutscher Flagge, das an der Rettungsaktion beteiligt ist. "Unser Beiboot ist dabei, Tote zu bergen", sagte Neugebauer zu SPIEGEL ONLINE. Wie viele Menschen ertrunken sind, konnte er noch nicht sagen.

Erst am Mittwoch war die italienische Marine dort im Einsatz, um Flüchtlinge aus dem Wasser zu retten. Etwa 560 Menschen konnten laut der Marine in Sicherheit gebracht werden, sieben starben. Einen Tag zuvor waren es weitere 3000 Menschen, die auf ihrer Flucht nach Europa von internationalen Einsatzkräften aus seeuntüchtigen Booten in Sicherheit gebracht wurden.

Weil die Balkanroute für Flüchtlinge geschlossen wurde, machen sich immer mehr Menschen über Libyen auf den Weg nach Europa. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bereits rund 1370 Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken. Im vergangenen Jahr waren es rund 3700 Menschen, die dort ihr Leben verloren.

vks/Reuters/AP

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