Rekordzahlen Fast 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

Es ist ein trauriger Rekord: Fast 60 Millionen Menschen sind in der ganzen Welt auf der Flucht. Das sind nach einer neuen Erhebung so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze: immer mehr Menschen müssen ihre Heimat verlassen
AFP

Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze: immer mehr Menschen müssen ihre Heimat verlassen


Die Stiftung Weltbevölkerung hat am Donnerstag alarmierende Flüchtlingszahlen veröffentlicht. Weltweit sind demnach derzeit 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Das geht aus dem Weltbevölkerungsbericht der Uno-Organisation Unfpa hervor, dessen deutsche Fassung in Berlin vorgestellt wurde.

Mehr als die Hälfte der neuen Flüchtlinge stammte laut dem Bericht aus Syrien, Afghanistan, dem Sudan und Somalia. Durchschnittlich würden Geflohene ihre Heimat für 20 Jahre verlassen. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es demnach nicht mehr so viele Flüchtlinge wie jetzt.

Dem Bericht zufolge erreichte außerdem die Zahl der Menschen, die 2014 auf humanitäre Hilfe angewiesen waren, mit mehr als hundert Millionen einen neuen Höchststand. Die Zahl der Binnenvertriebenen habe sich außerdem seit 2010 verdoppelt.

Von den 59,5 Millionen Flüchtlingen weltweit waren etwa ein Viertel Frauen zwischen 15 und 49 Jahren. Diese seien besonders oft Gefahren wie sexueller Gewalt, ungewollter Schwangerschaft und Menschenhandel ausgesetzt, hieß es in dem Bericht. Die Autoren forderten daher einen leichteren Zugang zu Verhütungsmitteln und Aids-Medikamenten sowie eine bessere Betreuung von Schwangeren.

Der Rekordflüchtlingszahl stand vergangenes Jahr eine Rekordfinanzierungslücke von 7,5 Milliarden Dollar (rund sieben Milliarden Euro) gegenüber. Eigentlich wurden 19,5 Milliarden Dollar benötigt. "Millionen Menschen in Not erhalten somit keine oder nur unzureichende Hilfe", erklärte die Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, Renate Bähr. Sie appellierte an die Bundesregierung, die Mittel für humanitäre Hilfe zu erhöhen und sich international für eine bessere Finanzierung zu engagieren.

Derzeit halten sich laut dem Bericht rund eine Milliarde Menschen in Konfliktgebieten auf, was etwa 14 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. In diesen Regionen lebten 60 Prozent aller Unterernährten weltweit und mehr 75 Prozent aller Kinder ohne Grundschulzugang. Außerdem entfielen auf durch Konflikte geschwächte Staaten 70 Prozent aller Toten im Säuglingsalter. Mehr als 500 Frauen stürben dort zudem täglich infolge von Problemen bei Schwangerschaft und Geburt.

als/AFP

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