Überfüllte Lager Griechenland rechnet 2020 mit 100.000 Migranten aus der Türkei

Die Registrierungslager für Flüchtlinge auf den griechischen Inseln sind schon jetzt überfüllt - und die Regierung erwartet bald viel mehr Neuankömmlinge. Die Situation sei "deutlich kritischer" als 2015.
Migranten in einem Lager auf der Insel Lesbos: Bald noch viel mehr Menschen

Migranten in einem Lager auf der Insel Lesbos: Bald noch viel mehr Menschen

Foto: Giorgos Moutafis/REUTERS

Seit Monaten steigt die Zahl der Flüchtlinge, die über die Türkei auf die griechischen Inseln in der Ägäis gelangen. Im kommenden Jahr wird sich die Situation nach Angaben der Regierung dort noch mehr zuspitzen: Athen erwartet 2020 rund 100.000 über die Türkei kommende Migranten auf den griechischen Inseln. Das sagte der Regierungsbeauftragte für die Erstaufnahme von Flüchtlingen, Manos Logothetis, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

"Die Krise ist aktuell, und sie ist gravierend", sagte er. Allein in den vergangenen sechs Monaten habe sein Land 45.000 neue Flüchtlinge aufgenommen. Der Regierungsbeauftragte sprach von einer Krise, die "deutlich kritischer" für Griechenland sei als 2015. Damals seien die Flüchtlinge in andere EU-Staaten weitergezogen. Diesmal blieben sie auf den Inseln.

Die Lage in den völlig überfüllten Registrierlagern dort gerät zunehmend außer Kontrolle, die Zustände sind nach Berichten humanitärer Organisationen dramatisch (mehr dazu lesen Sie hier ). Nach Angaben des zuständigen Ministeriums in Athen harren in den Lagern der Inseln mehr als 41.000 Menschen aus. Das ist die höchste Zahl seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspakts im März 2016. Noch im April lebten auf den betroffenen Inseln nur 14.000 Migranten.

Logothetis kündigte an, dass die griechische Regierung 2020 von den Inseln 10.000 Asylsuchende in Richtung Türkei abschieben wolle. Dafür wolle man zusätzliche 270 Asyl-Entscheider einstellen. Zudem würden neue Erstaufnahmelager auf jenen fünf Inseln gebaut, die die größte Last der Migrationsbewegung trügen.

Erst vor wenigen Tagen hatten Videoaufnahmen für Empörung gesorgt, die einen sogenannten Pushback am griechisch-türkischen Grenzfluss Evros dokumentieren. Dabei geht es um illegale Abschiebungen von schutzsuchenden Migranten.

Illegale Abschiebungen an EU-Grenze: "Ein schlecht gehütetes Geheimnis"

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Deutschland hat dem Bericht der Funke-Mediengruppe zufolge dieses Jahr weniger Beamte als Hilfe für die griechischen Asylbehörden auf die Inseln geschickt. Laut der EU-Asylbehörde EASO seien es 2019 insgesamt 80 Asylexperten unter anderem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gewesen, um bei der Registrierung zu unterstützen, so die Zeitungen. 2018 waren es demnach noch 124 Beamte, im Jahr zuvor 130.

vks/dpa/AFP