Flüchtlinge Griechenland will Graben gegen Migranten bauen

Zehntausende Flüchtlinge drängten vergangenes Jahr über Griechenland nach Europa. Die Regierung verstärkt nun offenbar ihre Grenze: Sie hat einem Bericht zufolge mit dem Bau eines Grabens begonnen. Er soll 30 Meter breit und sieben Meter tief werden.

Athen - Erst sollte ein Sperrzaun die Menschen abhalten, jetzt wird offenbar auch ein Graben gebaut: Griechenland will so den massenhaften Zustrom von Zuwanderern stoppen, meldet die Athener Zeitung "To Vima". Der Graben solle entlang des Flusses Evros verlaufen, der die griechisch-türkische Grenze markiert.

Die Online-Ausgabe der Zeitung veröffentlichte am Donnerstag eine Karte mit dem Verlauf des Grabens entlang des Evros. 30 Meter breit und sieben Meter tief soll er werden. "To Vima" meldet, der Graben werde 120 Kilometer lang, andere Medien sprechen offenbar von einer Länge von nur 20 Kilometern.

"Der Panzergraben am Evros ist absurd", sagt der Sprecher der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. "Solche Aktionen erhöhen den Blutzoll, den Flüchtlinge bezahlen, wenn sie die Grenze passieren." Griechenland rüstet die Grenze bereits seit einiger Zeit auf: Ein drei Meter hoher Zaun mit Betonsockel und Wärmebildkameras soll den größten Andrang abhalten.

Auch die ersten 14,5 Kilometer des neuen Grabens seien bei der Ortschaft Orestiada bereits ausgehoben worden, schreibt "To Vima". Orestiada, das ist die griechische Provinzmetropole, die von dem Flüchtlingsstrom der vergangenen Monate und Jahre am meisten betroffen ist. Die Polizeidirektion ist zuständig für die Präfektur Evros und damit für gut 90 der 210 Kilometer langen Grenze zwischen der Türkei und Griechenland. Viele Menschen versuchen, über den Evros nach Griechenland und damit in die EU zu schwimmen - und sterben dabei.

Tod in den Fluten des Evros

Die Zahl der Zuwanderer, die diese Route nach Europa wählen, ist in den vergangenen Jahren rapide angestiegen. Entlang der griechisch-türkischen Grenze hat die europäische Grenzagentur Frontex im vergangenen Jahr rund 48.000 Menschen entdeckt.

Doch es sind oft nicht nur illegale Einwanderer, sondern Flüchtlinge. Sie stammen aus Afghanistan, aus dem Irak und den palästinensischen Gebieten - und sind auf der Flucht vor dem Krieg. Seit die Flüchtlingsströme vor den härteren Kontrollen in Spanien und Frankreich nach Osten ausweichen, kommen die Menschen auch aus Nord- und Ostafrika.

Die Umstände, unter denen sie nach der Ankunft in Griechenland leben müssen, rügte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Januar als menschenunwürdig. Die Straßburger Richter kritisierten die Haft- und Lebensbedingungen für Asylbewerber als "unmenschlich und erniedrigend". Deutschland, Island, Schweden, Großbritannien und Norwegen stoppten daraufhin aus humanitären Gründen die Rückführung nach Griechenland.

Pro Asyl kritisierte die soziale Situation von Asylsuchenden in Griechenland vor wenigen Tagen erneut scharf: Nach wie vor müssten sie überwiegend auf der Straße leben, weil ihre Anträge auf Asyl nicht angenommen würden. "Die Situation vor der zentral zuständigen Athener Ausländerbehörde ist katastrophal wie eh und je", erklärte Pro Asyl.

Insgesamt kamen nach Behördenangaben allein im vergangenen Jahr 128.000 Migranten nach Griechenland. In den vergangenen vier Jahren seien es insgesamt 512.000 gewesen.

kgp/dpa
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