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04. September 2015, 08:52 Uhr

Kurswechsel

Cameron will nun doch weitere syrische Flüchtlinge aufnehmen

Bislang fährt Großbritanniens Premier Cameron einen harten Kurs gegen Migranten. Doch das könnte sich jetzt ändern: Seine Regierung will weitere Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen.

In seiner Asylpolitik setzt Großbritanniens Premier David Cameron mit harten Gesetzen bislang auf Abschreckung. "Unsere Straßen sind nicht mit Gold gepflastert", warnte seine Innenministerin Theresa May Flüchtlinge vor einer illegalen Einreise vom französischen Calais aus durch den Eurotunnel auf die Insel. Zäune und Polizei sollen dort Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Südengland stoppen.

Doch der Fall des ertrunkenen Flüchtlingsjungen in der Türkei setzte Cameron unter Druck. "Wir sollten zumindest mehr als ein Prozent der syrischen Flüchtlinge aufnehmen, weil wir mehr als ein Prozent der Verantwortung übernehmen", sagte der konservative Abgeordnete David Burrowes dem "Telegraph".

Zudem forderten mehr als 333.000 Menschen in Großbritannien ihre Regierung auf, mehr Flüchtlinge ins Land zu lassen. "Großbritannien gewährt im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern nicht ausreichend Asyl", heißt es in der Online-Petition an Regierung und Abgeordnete. "Wir müssen helfen." Petitionen, die mehr als 100.000 Unterstützer finden, werden für eine Parlamentsdebatte in Betracht gezogen.

Jetzt verkündete Cameron, Großbritannien werde mehrere tausend aus Syrien geflohene Menschen aufnehmen. Es würden Flüchtlinge geholt, die in Lagern nahe der syrischen Grenze lebten, sagte er am Freitag in Lissabon. Details würden kommende Woche bekanntgegeben. Entsprechende Spekulationen hatte der "Guardian" bereits am Morgen veröffentlicht. Nach Angaben des UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Uno, mit dem das Verfahren laufen soll, habe die Regierung in London 4000 "Umsiedlungsplätze" angeboten.

Finanzminister George Osborne hatte bereits Freitagfrüh gesagt: "Wir haben 5000 Menschen aus dem Konflikt in Syrien aufgenommen, wir werden weiterhin Menschen aufnehmen und prüfen das." Vorrangig sei aber, die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) und Schleuserbanden zu bekämpfen.

Ein Regierungssprecher nannte die Bilder des ertrunkenen Jungen "eindeutig schockierend". Großbritannien stehe "an vorderster Front" bei der Hilfe für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. Die 5000 Menschen aus Syrien hat Großbritannien über die vergangenen vier Jahre aufgenommen. Der Uno-Sonderbeauftragte für Migration, Peter Sutherland, sagte, Großbritannien könne mehr tun.

Während Deutschland in diesem Jahr mit 800.000 Flüchtlingen rechnet, haben in Großbritannien dem Innenministerium zufolge in den zwölf Monaten bis Ende Juni lediglich 25.771 Menschen Asyl beantragt. Das Land gehört nicht zum Schengenraum und kontrolliert seine Grenzen.

als/ler/dpa

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