Einsatz im Mittelmeer Italiens Küstenwache rettet vor Libyens Küste 220 Flüchtlinge

Unmittelbar vor dem EU-Gipfel zum Flüchtlingsdrama im Mittelmeer hat die italienische Küstenwache weitere 220 Migranten gerettet: Sie waren in zwei Schlauchbooten unterwegs Richtung Sizilien.

Gerettete Flüchtlinge auf Sizilien: Bis September könnten pro Woche 5000 Migranten Italien erreichen
AFP

Gerettete Flüchtlinge auf Sizilien: Bis September könnten pro Woche 5000 Migranten Italien erreichen


Auf der italienischen Insel Sizilien sind erneut 220 Menschen angekommen. Ein Kreuzer der italienischen Küstenwache hat die Migranten rund 40 Kilometer vor der libyschen Küste aufgegriffen. Sie waren in zwei Schlauchbooten unterwegs.

Nach Schätzungen des italienischen Innenministeriums in Rom könnten bis September wöchentlich etwa 5000 Flüchtlinge Italien erreichen. Beim Sondergipfel in Brüssel wollen die europäischen Staats- und Regierungschefs am Abend darüber beraten, wie sie in Zukunft mit den Flüchtlingen im Mittelmeer umgehen werden. Das Treffen war kurzfristig angesetzt worden, nachdem in der Nacht zum Sonntag vor der Küste Libyens rund 800 Flüchtlinge ertrunken waren.

Die Staatengemeinschaft will auch Pläne zu Militäreinsätzen gegen Schlepperbanden prüfen. In einem Entwurf für die Abschlusserklärung des Treffens in Brüssel wird die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini aufgefordert, sofort mit Vorbereitungen für eine mögliche Operation zu beginnen.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) forderte die Staatengemeinschaft dazu auf, konkrete Entscheidungen zur Bekämpfung der Flüchtlingskatastrophe zu fällen. "Erst mal müssen alle verfügbaren Schiffe dorthin, wo die Lage derzeit am schlimmsten ist - ins Seegebiet vor Libyen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Außerdem müssten die Mitgliedstaaten sich darauf verständigen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen und diese gerechter in der EU zu verteilen.

Deutsche Marine einsatzbereit

Die Wiederauflage eines Rettungsprogramms nach dem Muster der abgelaufenen Aktion "Mare Nostrum" bezeichnete Schulz als einen der notwendigen Schritte. "Parallel dazu müssen wir versuchen, in Libyen selbst Strukturen aufzubauen, mit denen wir gegen die kriminellen Machenschaften der Schleuser vorgehen können", sagte er.

Die deutsche Marine könnte innerhalb kürzester Zeit drei Schiffe für den Ausbau der Seenotrettungskapazitäten im Mittelmeer bereitstellen. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Bundeswehrkreisen erfuhr, gibt es das Angebot, den Einsatzgruppenversorger "Berlin" sowie die Fregatten "Karlsruhe" und "Hessen" auf den Weg in Richtung Italien zu schicken.

Die Schiffe mit mehr als 600 Soldaten an Bord sind derzeit im Rahmen der Anti-Piraterie-Operation Atalanta am Horn von Afrika unterwegs. Sie könnten innerhalb von fünf Tagen am Ort des Geschehens sein, hieß es.

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kry/AFP/dpa



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