Rätsel um Flüchtlingsunglück Auch UNHCR spricht von Hunderten Toten im Mittelmeer

Was steckt hinter den Berichten über den grausigen Tod Hunderter Flüchtlinge im Mittelmeer? Jetzt meldet sich das Uno-Flüchtlingshilfswerk zu Wort. Augenzeugen hätten die Katastrophe bestätigt.

Flüchtlinge im Mittelmeer
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Flüchtlinge im Mittelmeer


Seit Tagen kursieren mitunter widersprüchliche Berichte über eine mögliche Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer. Bis zu 500 Migranten, so heißt es, sollen ertrunken sein. Doch trotz des möglichen Ausmaßes des Unglücks: Regierungen, Behörden und Flüchtlingsorganisationen zeigen sich bislang unwissend. Detaillierte Informationen gibt es kaum, eine offizielle Bestätigung ist ausgeblieben.

Jetzt allerdings hat sich das Flüchtlingshilfswerk der Uno zu Wort gemeldet . Augenzeugen hätten der Uno -Organisation bestätigt, dass zwischen Libyen und Italien ein Schiff untergangen sein soll. Bis zu 500 Menschen könnten dabei ums Leben gekommen sein.

Die Organisation hat in der griechischen Stadt Kalamata mit 41 Überlebenden gesprochen. Demnach soll sich das Unglück in der vergangenen Woche ereignet haben.

Bereits am Montag waren Berichte über die erneute Katastrophe aufgetaucht, auch der britische Sender BBC hatte mit den mutmaßlichen Augenzeugen gesprochen. Allerdings hatten zunächst weder die Küstenwache Italiens oder Griechenlands noch Hilfsorganisationen den Schiffbruch bestätigen können.

Am Dienstag gelang es nun Mitarbeitern des Flüchtlingshilfswerks in Kalamata, Informationen zu sammeln. Demnach könnte es sich um eine der schlimmsten Flüchtlingstragödien der letzten zwölf Monate handeln, hieß es in einer Mitteilung.

Auf hoher See umgestiegen

Die Überlebenden, die auf einem anderen Boot unterwegs waren, waren den Erzählungen nach in der vergangenen Woche vom libyschen Tobruk aus auf einem etwa 30 Meter langen Holzboot in Richtung Italien aufgebrochen. Insgesamt sollen 100 bis 200 Menschen an Bord gewesen sein. "Nach einiger Zeit auf See sollten sie auf ein größeres Schiff umsteigen, auf dem bereits andere Menschen waren", sagte UNHCR-Sprecherin Barabara Molinario der Nachrichtenagentur dpa. "Das andere Boot war jedoch völlig überfüllt und ist während des Umsteigens gekentert."

Dabei seien nach Aussage der Interviewten bis zu 500 Menschen ertrunken. Die 41 Augenzeugen - 37 Männer, drei Frauen und ein dreijähriges Kind, sie kommen aus Somalia , Äthiopien , Ägypten und dem Sudan - überlebten nur, weil sie noch nicht auf das andere Boot umgestiegen waren oder zu dem kleineren Boot zurückschwammen. Anschließend trieben sie nach Angaben der Uno-Organisation mehrere Tage auf See, bevor ein Handelsschiff sie rettete und am Samstag nach Griechenland brachte.

Wo das größere Schiff gestartet war, woher die Opfer stammten und wo genau sich das Unglück ereignet hatte, blieb zunächst unklar. Bei gutem Wetter wagen derzeit viele Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer von Nordafrika nach Italien. Immer wieder kommt es dabei zu Katastrophen, wenn voll besetzte Schiffe auf hoher See kentern und die Menschen an Bord ertrinken.

Vor fast genau einem Jahr kamen bei dem bislang wohl schlimmsten Unglück im Mittelmeer bis zu 800 Menschen ums Leben. Nach Angaben eines Überlebenden sollen sogar bis zu 950 Menschen an Bord gewesen sein. Mehr als 140 Leichen wurden bislang geborgen, 28 Menschen überlebten das Unglück. Derzeit versuchen Spezialkräfte, das Wrack, das in fast 400 Metern Tiefe liegt, zu heben. Es soll nach Augusta auf Sizilien gebracht werden, um dort die im Inneren des Schiffes eingepferchten Leichen zu bergen. Dies soll vermutlich noch vor Monatsende geschehen.

kev/dpa/Reuters

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