Rekordzahl 218.000 Mittelmeer-Flüchtlinge im Oktober

Die Route ist gefährlich, doch die Zahl der Flüchtlinge auf diesem Weg steigt: Laut den Vereinten Nationen flohen im Oktober so viele Menschen über das Mittelmeer wie nie zuvor.

Flüchtlinge auf einem Boot in der Ägais: Mindestens 3440 kamen 2015 ums Leben
AFP

Flüchtlinge auf einem Boot in der Ägais: Mindestens 3440 kamen 2015 ums Leben


So viele Menschen sind noch nie innerhalb eines Monats über das Mittelmeer geflohen: Allein im Oktober kamen etwa 218.000 Flüchtlinge auf der gefährlichen Seeroute nach Europa. Das melden die Vereinten Nationen. Das sei die höchste Zahl, die jemals in einem solchen Zeitraum registriert wurde, teilte das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf mit. Mit 218.394 Menschen flohen im Oktober 2015 nur etwas weniger Menschen über das Mittelmeer als im gesamten Jahr 2014.

In diesem Jahr wagten den Angaben zufolge bislang insgesamt mehr als 744.000 Menschen die gefährliche Überfahrt. Der Oktober sei der bisherige "Rekordmonat" gewesen, sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards. Mindestens 3440 Bootsflüchtlinge kamen nach Uno-Angaben in diesem Jahr bereits auf dem Mittelmeer ums Leben.

Die allermeisten Hilfesuchenden, die sich mit Schiffen und Booten auf die Reise gemacht hatten, kamen im Oktober in Griechenland an. (Lesen Sie hier eine Reportage aus Lesbos.) Nur rund 8000 landeten nach Angaben des UNHCR in Italien. Im vergangenen Jahr hatten noch mehr als drei Viertel aller Bootsflüchtlinge über Italien die EU erreicht.

Tausende Flüchtlinge auf der Balkanroute

In der Regel versuchen die Menschen über den Balkan weiter nach Nord- und Westeuropa zu gelangen. Weiterhin sind Tausende Flüchtlinge auf dieser Route unterwegs. In Slowenien seien von Sonntag bis zum frühen Montagmorgen 8500 Schutzsuchende angekommen, berichtete die Nachrichtenagentur STA unter Berufung auf die Polizei. Weiter südlich erreichten allein in den ersten Stunden des Montags rund 3500 neue Flüchtlinge Kroatien, meldete das Innenministerium.

Das jüngste EU-Mitglied transportiert die meisten von ihnen mit dem Zug nach Slowenien. Von dort gelangen fast alle nach Österreich und weiter nach Bayern. Am slowenisch-österreichischen Grenzübergang Spielfeld warteten nach Angaben der Nachrichtenagentur APA etwa 2200 Menschen auf ihren Weitertransport.

Einreise nach Deutschland erleichtert

Seit Montagvormittag dürfen Flüchtlinge vom österreichischen Schärding aus direkt ins deutsche Neuhaus am Inn (Landkreis Passau) einreisen. Ein Sprecher der Polizei Freyung in Niederbayern bestätigte entsprechende Informationen der österreichischen Landespolizei.

Demnach werden die Flüchtlinge in Bussen an der Erstaufnahmeeinrichtung in Österreich abgeholt. Anschließend werden sie - begleitet von einem Fahrzeug der Bundespolizei oder einem deutschen Beamten - in die Asylunterkunft in Neuhaus am Inn gebracht. Die Regelung sei zwischen den Ländern "sauber abgesprochen", sagte der Polizeisprecher weiter.

Bisher setzte Österreich die Flüchtlinge kurz vor der Grenze zu Deutschland ab. Die Flüchtlinge warteten dann auf österreichischem Gebiet auf ihre Einreise. Hintergrund der jetzigen Neuerung ist, dass man die ankommenden Flüchtlinge "nicht im Freien stehen lässt" und ihnen die weiten Fußwege zwischen den Unterkünften ersparen möchte, wie der Polizeisprecher erläuterte. Derzeit gilt die Vereinbarung offenbar nur zwischen Schärding und Neuhaus. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass weitere Grenzstädte dem Beispiel in den nächsten Tagen folgen werden.

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kev/AFP/dpa



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