Dänische Polizei Flüchtlinge könnten binnen drei Tagen nach Schweden weiterreisen

Hunderte Flüchtlinge sitzen in Dänemark fest. Sie wollten nach Schweden weiterreisen, doch die Polizei hinderte sie daran. Laut dänischem Ausländergesetz gilt die Reisesperre bis zu drei Tage.

Die dänische Polizei verhindert die Weiterreise von Flüchtlingen im Bahnhof Padborg: "Befugnis, Menschen dreimal 24 Stunden zurückzuhalten"
DPA

Die dänische Polizei verhindert die Weiterreise von Flüchtlingen im Bahnhof Padborg: "Befugnis, Menschen dreimal 24 Stunden zurückzuhalten"


Die dänische Polizei kann in Dänemark ankommende Flüchtlinge nicht dauerhaft von der Weiterreise nach Schweden abhalten. "Wir haben laut dem Ausländergesetz Befugnis, Menschen dreimal 24 Stunden zurückzuhalten", sagte Reichspolizeichef Jens Henrik Højbjerg am Mittwochabend. "Es ist klar, dass wir nach dieser Zeit nicht verhindern können, dass Menschen in ein anderes Land reisen."

Zuvor hieß es noch, dass Flüchtlinge, die sich in Dänemark nicht registrieren lassen wollen, zurück nach Deutschland geschickt würden.

Seit Sonntag waren rund 3000 Flüchtlinge mit Zügen in Padborg nahe Flensburg und mit Fähren in Rødby auf der dänischen Insel Lolland angekommen. Die meisten wollen weiter nach Schweden reisen, um sich dort als Asylbewerber registrieren zu lassen. Das könne die Polizei ihnen jedoch nicht erlauben, sagte eine Sprecherin.

Dänemarks Integrationsministerin Inger Støjberg hatte sich am Dienstag vergeblich um ein Sonderabkommen mit Schweden bemüht, um die Menschen in das Nachbarland weiterschicken zu können. "Die schwedische Regierung hat keine rechtliche Befugnis, eine solche Vereinbarung zu treffen", sagte ein Sprecher des schwedischen Justizministeriums am Mittwoch.

Hunderte Flüchtlinge machten sich daraufhin zu Fuß auf der Autobahn auf den Weg gen Schweden. Das skandinavische Land verfolgt eine vergleichsweise liberale Asylpolitik, Dänemark dagegen einen restriktiveren Kurs.

AP/ Polfoto
Die Polizei sperrte die E45 bei Padborg in beide Richtungen. Den dänischen Verkehrsmeldungen zufolge bestand die Sperre bis zum späten Abend fort. Erst um 21.30 Uhr teilte die dänische Straßenbehörde auf ihrer Webseite mit, dass der Streckenabschnitt wieder befahrbar sei.

Um weitere Flüchtlinge an der Durchreise nach Schweden zu hindern, hat die dänische Bahn auf Anweisung der Polizei den Zugverkehr zwischen beiden Ländern komplett eingestellt. Zwischen Flensburg und Padborg in Südjütland rollen auf unbestimmte Zeit keine Züge mehr, bestätigte ein Sprecher der Bahngesellschaft DSB.

Vor dem Stopp des Bahnverkehrs hatten sich etwa 200 aus Deutschland kommende Flüchtlinge geweigert, im Fährhafen von Rødby - dem wichtigsten Schiffsweg zwischen Deutschland und Skandinavien - ihre Züge zu verlassen.

Am Mittwochabend teilte ein Polizeisprecher mit, dass den Flüchtlingen die Weiterreise von Rødby mit einem Zug angeboten worden sei. Berichte dänischer Medien, wonach der Zug sie nach Schweden bringen würde, bestätigte er nicht.

Zahlreiche Flüchtlinge, die nach dem Stopp des Zugverkehrs zwischen Deutschland und Dänemark am Bahnhof in Flensburg festsaßen, wurden am späten Mittwochabend in Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig-Holstein gebracht. Die meisten der etwa 100 bis 150 Menschen wurden mit Bussen nach Boostedt im Kreis Segeberg gefahren, sagte ein Behördensprecher in Kiel. "Damit der lange Weg ein Ende hat und alle sicher unterkommen."

sun



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