Flüchtlingsdrama in Griechenland Bangen und Hoffen auf dem Meer vor Kos

Die Notunterkunft auf der Autofähre füllt sich: Vor der griechischen Insel Kos sind rund 500 syrische Flüchtlinge an Bord gekommen. Zugleich wachsen die Spannungen an Land - und es kommen noch mehr Menschen.
Flüchtlinge vor Superjacht (am 15. August): Absurde Gegensätze in der Ägäis

Flüchtlinge vor Superjacht (am 15. August): Absurde Gegensätze in der Ägäis

Foto: YANNIS BEHRAKIS/ REUTERS

Beinahe die ganze Nacht über herrschte auf der "Eleftherios Venizelos" reger Betrieb. Kabinen wurden zugewiesen, Gepäckstücke verstaut, provisorische Betten bereitet. Zu knapp einem Fünftel ist die Autofähre im Hafen der griechischen Insel Kos inzwischen gefüllt. Die Behörden hatten am Wochenende mit dem Boarding begonnen. Bis zum frühen Montagmorgen gingen knapp 500 Menschen an Bord, so die offizielle Mitteilung.

Priorität haben Kinder und ihre Mütter sowie Familien. Das Schiff war am Freitag angekommen und dient zur Registrierung und befristeten Unterbringung syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge. Die Menschen sollen in den Kabinen des Schiffs untergebracht werden. Zudem steht ein Bereich zur Verfügung, der sonst für Verwaltungsaufgaben an Bord genutzt wird. Die griechische Regierung hat die Fähre, mit der normalerweise Touristen, Autos und Lastwagen zu den Inseln transportiert werden, gechartert.

Schlauchboote auf dem Weg zur Fähre: Zumindest ein Dach über dem Kopf

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Foto: AP/dpa

Insgesamt sollen 2500 Menschen untergebracht werden. Flüchtlinge aus anderen Staaten als Syrien dürfen zunächst nicht auf die Autofähre . Die Behörden wollen so vermeiden, dass es zu Zwischenfällen an Bord kommt. Deshalb wurde auch die Belegung des Schiffs um einen Tag verzögert. Diese Zeit wollten die Behörden zur besseren Planung nutzen. "Wir hoffen, dass das Verfahren jetzt etwas glatter läuft. Wir wollen einfach nur registriert werden, damit wir nach Athen fahren können", sagte Mohammed aus dem syrischen Aleppo der Nachrichtenagentur AFP.

Zuvor hatte die Lage auf der Urlaubsinsel für Spannungen unter den Flüchtlingen gesorgt. Am Samstag lieferten sich laut Fernsehberichten etwa 50 Afghanen, Iraker und Pakistaner eine Schlägerei vor der Polizeistation von Kos . Sie hatten dort auf ihre Registrierung gewartet. So etwas soll sich an Bord nicht wiederholen.

Meldungen über Überfälle - ein Toter entdeckt

Bislang mussten Tausende Menschen auf Kos unter widrigsten Bedingungen unter freiem Himmel schlafen, weil die Insel kein Aufnahmezentrum hat. Die Behörden sind seit Wochen mit der hohen Zahl der Flüchtlinge auf der Insel überfordert, die nur wenige Kilometer vom türkischen Festland entfernt liegt. Die Einwanderer warten dort oft tagelang auf ihre Registrierung, die notwendig ist, um die Erlaubnis zur Weiterreise aufs griechische Festland zu erhalten.

Bei der Fahrt nach Kos in wackeligen Holzbooten oder Schlauchbooten von der Türkei aus kommt es offenbar in jüngster Zeit auch vereinzelt zu Überfällen auf die Flüchtlinge. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen äußerte sich am Samstag besorgt über entsprechende sich ähnelnde Berichte von Flüchtlingen.

Küstenwache im Hafen von Kos: Immer wieder werden Menschen gerettet

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Foto: AP/dpa

Immer wieder fordert die gefährliche Flucht auch Todesopfer unter den Flüchtlingen. An einem einsamen Strand von Kos wurde am Wochenende die Leiche eines 16 Jahre alten Syrers entdeckt. Seine Angehörigen, die in Schweden leben, hatten ihn vor einigen Tagen als vermisst gemeldet. Der junge Mann soll laut Ärzten an Wassermangel gestorben sein, berichtete das griechische Staatsradio am Montag weiter.

Immer mehr Menschen wagen sich in die Boote

Trotz tragischer Vorfälle dieser Art hält der Zustrom von Flüchtlingen auf den griechischen Ägäis-Inseln unvermindert an. Kos ist dabei nicht der einzige Anlaufpunkt. Auf Lesbos vor der türkischen Küste etwa gingen allein am Samstag mehr als 300 Flüchtlinge an Land. Dort warteten bereits Hunderte Menschen darauf, mit einem Schiff auf das griechische Festland fahren zu können.

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Die meisten von ihnen waren bereits registriert worden und dürften die Insel eigentlich verlassen. Da die Fähren wegen der Reisesaison jedoch größtenteils ausgebucht waren, gab es kaum Tickets für die Fahrt nach Piräus bei Athen.


jok/dpa/AFP/Reuters
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