Flüchtlinge auf griechischen Inseln Keine Abschiebungen mehr bis Freitag

202 Migranten sind von Griechenland in die Türkei zurückgeschickt worden, weitere sollen vor Freitag nicht folgen. Womöglich schreckt die Rückführung ab: Deutlich weniger Migranten kamen mit Schleppern über die Ägäis.

Flüchtlingsboot nahe der griechischen Insel Lesbos
REUTERS

Flüchtlingsboot nahe der griechischen Insel Lesbos


Die Abschiebung einer ersten Gruppe von 202 Migranten von griechischen Inseln in die Türkei war wohl vor allem ein Symbol. Es sollte zeigen, dass die Rückführung funktionieren kann. Nun ist klar: Erst frühestens am Freitag sollen Nichtasylberechtigte wieder aus Griechenland abgeschoben werden, sagte ein Mitarbeiter der Küstenwache SPIEGEL ONLINE.

Zugleich hat die Zahl der mit Schlauchbooten neu ankommenden Migranten aus der Türkei offenbar deutlich abgenommen: Innerhalb von 24 Stunden hätten nur noch 68 Menschen übergesetzt, meldete der griechische Stab für die Flüchtlingskrise am Mittwoch. Am Vortag waren 225 neue Asylsuchende vom türkischen Festland auf Ägäis-Inseln übergesetzt.

Nach mehr als 1000 Menschen am Wochenende ist das ein spürbarer Rückgang. Es sieht also aus, als hätte die Abschreckung durch Nato-Kriegsschiffe in der Ägäis und die kleine Rückführung vom Montag den gewünschten Effekt. Außerdem testen Schlepper derzeit neue Routen in die EU - und versprechen für Tausende Dollar sogar, Migranten direkt von der Türkei nach Italien zu bringen. Auch das könnte dazu führen, dass weniger Flüchtlinge zu den griechischen Inseln aufbrechen.

Den Rückführungsstopp hatte die griechische Asylbehörde am Dienstag damit erklärt, dass die meisten Migranten nun direkt Asylanträge in Griechenland stellen, um ihre drohende Ausweisung in die Türkei hinauszuzögern. Zuvor hatten die meisten Schutzsuchenden in Griechenland kein Asyl beantragt, weil sie hofften, nach Mitteleuropa weiterreisen zu können.

Die EU-Kommission machte am Dienstag keine Angaben zu eine Stopp der Abschiebungen. "Wir können dazu keine Informationen herausgeben", erklärte eine Sprecherin in Brüssel. Man werde sich weiter auf jene Menschen konzentrieren, die keinen Asylantrag gestellt hätten, hieß es. Sie können sofort in die Türkei zurückgeschickt werden.

Die Asylanträge sollen in Schnellverfahren geprüft werden, was einige Tage dauern soll. Beobachter auf den Inseln schätzen aber, dass es eher zwei Wochen sein werden. Griechenland warnt dabei allerdings vor großen Problemen. Allein für die Bearbeitung der Anträge werden 400 EU-Beamte gebraucht, vor Ort sind laut der Chefin der Asylbehörde Maria Stavropoulou aber nur 30.

Geplant ist, dass für jeden aus Griechenland abgeschobenen Flüchtling ein anderer von der Türkei nach Europa verteilt werden soll - bis die Zahl 72.000 erreicht ist. Die ersten Flüchtlinge aus der Türkei kamen am Montag im niedersächsischen Friedland an.

Um die gesamte Umsetzung dieses Flüchtlingstauschs zu organisieren, ist ein enormer personeller Aufwand nötig: 4000 EU-Beamten sollen Griechenland helfen, darunter Sicherheitskräfte, Dolmetscher und Asylentscheider. Bislang hält sich dort gerade einmal ein Bruchteil davon auf.

cht/gic/dpa

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