Neuer Verteilungsmechanismus für Flüchtlinge "Ocean Viking" darf Hafen in Italien anlaufen

213 Bootsflüchtlinge auf der "Ocean Viking" dürfen an Land gehen: Die Verteilung der Menschen soll nach einem neuen Mechanismus erfolgen. Für einige Migranten vor Lampedusa endete ihre Flucht nach Europa tödlich.

Das Rettungsschiff "Ocean Viking" darf die Stadt Messina anlaufen (Archiv)
Francesco Ruta/ANSA/dpa

Das Rettungsschiff "Ocean Viking" darf die Stadt Messina anlaufen (Archiv)


Das Schiff "Ocean Viking" darf nach seinem jüngsten Rettungseinsatz im Mittelmeer vor der libyschen Küste die italienische Stadt Messina anlaufen. Diese sei ihr als sicherer Hafen zugewiesen worden, teilte die Hilfsorganisation SOS Méditerranée am späten Samstagabend mit. Die 213 Geretteten an Bord sollen nach einem neuen Verfahren verteilt werden.

Wie das italienische Innenministerium mitteilte, beantragten Italien, Deutschland, Frankreich und Malta erstmals gemeinsam bei der EU-Kommission, die Umverteilung der Migranten einzuleiten.

Diese vier Länder hatten sich bei einem Treffen auf Malta am 23. September auf eine Grundsatzeinigung für die Seenotrettung im zentralen Mittelmeer verständigt. Dieser "vorübergehende Solidaritätsmechanismus" sieht vor, dass sich eine Gruppe von EU-Staaten für sechs Monate bereit erklärt, Italien und Malta gerettete Bootsflüchtlinge abzunehmen.

Damit soll verhindert werden, dass Schiffe mit Flüchtlingen tage- oder wochenlang auf hoher See ausharren müssen, bis die Verteilung geklärt ist und die Migranten an Land können. Der Notfallmechanismus ist als Übergangslösung gedacht, bis das derzeitige Asylsystem der EU überarbeitet wird. Doch bis heute fehlt ihm eine breite Unterstützung.

Die "Ocean Viking", die von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, hatte bei drei Rettungseinsätzen zwischen Dienstag und Donnerstag insgesamt 215 Menschen an Bord genommen. Eine mit Zwillingen schwangere Frau und ein Mann wurden bereits mit einem Hubschrauber vom Schiff geholt.

Derzeit ist auch das spanische Rettungsschiff "Open Arms" im Mittelmeer unterwegs. Es hatte am Donnerstag 73 Migranten an Bord genommen.

Vor der italienischen Insel Lampedusa kenterte am Samstagabend ein mit mehr als 150 Migranten überladenes, zehn Meter langes Boot. Die italienische Küstenwache konnte nach eigenen Angaben 149 Menschen retten, 133 Männer, 13 Frauen und 3 Kinder.

Bis zum Sonntagnachmittag wurden fünf Frauen tot aufgefunden, drei im Meer und zwei an Land. In ersten Berichten war von sieben Toten die Rede gewesen.

Überlebende des Unglücks hatten am Samstagabend die Zahl der Vermissten mit rund 20 angegeben. Es soll sich bei ihnen um Algerier, Tunesier und Pakistaner handeln. Die zuständige Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigent habe Ermittlungen wegen Begünstigung der illegalen Einwanderung und vielfacher fahrlässiger Tötung eingeleitet, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

cop/dpa/AFP



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