Flüchtlinge Tote bei Massenansturm auf Exklave Ceuta

Es ist ein Ansturm der Verzweifelten: Hunderte Afrikaner versuchen von Nordafrika nach Europa zu gelangen. In der Nacht stürmten sie die spanische Exklave Ceuta in Marokko. Dabei fielen Schüsse.


Unruhen gestern auch in Melilla: Ein Flüchtling zeigt seine bandagierte Hand
AFP

Unruhen gestern auch in Melilla: Ein Flüchtling zeigt seine bandagierte Hand

Madrid - Bei dem Massenansturm sollen Rundfunkberichten zufolge mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen sein. Das marokkanische Innenministerium und die örtliche spanische Verwaltung bestätigte bislang den Tod von zwei Immigranten. Etwa 600 Afrikaner versuchten, von Marokko aus die Grenzanlagen in der spanischen Stadt an der Meerenge von Gibraltar zu überklettern.

Unter Berufung auf Polizeiangaben berichteten der spanische Rundfunksender Cadena Ser und die spanische Nachrichtenagentur Efe, dass sich Schüsse "unbestimmter Herkunft" gelöst hätten, als die Menschen versuchten, in das Gebiet einzudringen. Drei Menschen starben demnach auf marokkanischem, drei auf spanischem Territorium. Die spanischen Behörden kündigten für den Vormittag genauere Informationen über den Vorfall an.

Tausende Menschen hoffen in den beiden in Marokko gelegenen spanischen Exklaven Ceuta und Melilla auf ihr Glück. Sie versuchen, die Absperrungen rund um die beiden Territorien zu überwinden. Die Exklaven gehören zum Schengen-Raum der EU. Dort können die Einwanderungswilligen einen Asylantrag bei den spanischen Behörden stellen. Die Regierung in Madrid hatte bereits nach einem Massensturm von Afrikanern auf Melilla in den vergangenen Tagen dort eine stärkere Absicherung der Grenze angeordnet. Die Afrikaner können in der Regel von Spanien nicht abgeschoben werden, weil die Heimatländer ihre Aufnahme verweigern.

Flüchtlinge in Melilla: In der Nachbarexklave Ceuta fielen jetzt Schüsse
AFP

Flüchtlinge in Melilla: In der Nachbarexklave Ceuta fielen jetzt Schüsse

Am Nachmittag wollten eigentlich die Regierungschefs von Spanien und Marokko in Córdoba und Sevilla zu einem Gipfeltreffen zusammenkommen. Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und sein marokkanischer Kollege Driss Jettou wollten dabei über mögliche Lösungen für das Flüchtlingsproblem beraten. Konservative Politiker in Spanien warfen der marokkanischen Regierung vor, nichts zu unternehmen, um den Zustrom zu stoppen. Dagegen betonte Rabat, dass Marokko allein überfordert sei. Nach Ansicht Marokkos soll die Europäische Union helfen, Auffanglager zu errichten und illegale Zuwanderer in deren Heimat abzuschieben.



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